USA: Rebound trotz schwacher Wirtschaftsdaten

13. März 2007, 14:31
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die amerikanischen Börsen konnten in der abgelaufenen Handelswoche deutliche Aufschläge verbuchen. Nachdem die Stimmung zu Beginn der Woche noch nervös war, hellte sich das Sentiment am Dienstag deutlich auf. In erster Linie waren gute Vorgaben aus Asien und Europa für den Rebound verantwortlich, die gemeldeten Wirtschaftsdaten ließen jedoch wenig Euphorie aufkommen. So meldete das Handelsministerium einen unerwartet stark sinkenden Auftragseingang der Industrie. Das Minus beläuft sich auf 5,6 % im Vergleich zum Vormonat, Volkswirte waren von einem Rückgang um 4 % ausgegangen. Im Dezember lag der Wert noch bei einem Plus von 2,4 %. Das Arbeitsministerium meldete einen Produktivitätsanstieg von lediglich 1,6 %. Zuletzt lag dieser Wert noch bei 3 %. Erschreckend deutlich stiegen die Lohnstückkosten im 4. Quartal. Während Analysten von 3,2 % ausgingen, betrug die tatsächliche Steigerung 6,2 %. Auch der ISM-Service Index fiel schwächer als erwartet aus, lediglich der Rückgang bei Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe konnte positiv überraschen.

An der Wall Street standen die Einzelhändler im Fokus. Der Discount-Händler Target konnte seine Umsätze im Februar um 5,7% steigern und einen optimistischeren Ausblick für das Gesamtjahr präsentieren. Ebenfalls stärker gingen die Papiere von JCPenney aus dem Handel, nachdem ein geringer als befürchteter Rückgang der Umsätze gemeldet wurde. Die Bekleidungskette American Eagle konnte zwar den Gewinn im Q4 um 40 % steigern, die Erwartungen wurden trotzdem verfehlt. Die Handelskette BJ's mußte einen Gewinneinbruch von 77% hinnehmen. Begründet wurde das schwache Zahlenwerk mit hohen Restrukturierungskosten und einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft. Der Einzelhändler Saks konnte im Q4 aufgrund stark gestiegener Umsätze und Margen wieder in die Gewinnzone zurückkehren, die Aktie stieg um knapp 10%.

Die Talsohle im Immobilienbereich dürfte noch nicht erreicht sein. So meldete D.R. Horton, der zweitgrößte Homebuilder der Vereinigten Staaten, 2007 erneut weniger Eigenheime als im Vorjahr zu verkaufen. Anteilsscheine der Hypothekenbank New Century Financial befanden sich im freien Fall und verloren knapp 75 % an Wert. Der zweitgrößte Immobilienfinanzierer der USA dürfte kurz vor dem Konkurs stehen und muß sich zudem einer Untersuchung durch die SEC stellen.

Im Technologiesektor gab der Chip-Hersteller AMD eine weitere Umsatzwarnung. Im Finanzbereich meldete die Citigroup die Übernahme des japanischen Broker-Hauses Nikko Cordial mit einem Gesamtvolumen von USD 11 Mrd. Der angeschlagene Automobilhersteller Ford plant Pressemeldungen zufolge den Verkauf der Luxusmarke Aston Martin. Branchenkenner sprechen von einem Kaufpreis von GBP 450 Mio. Der Ölkonzern Exxon Mobil kündigte an, in den nächsten drei Jahren 25 neue Ölförderprojekte realisieren zu wollen. Die neuen Ölfelder sollen bis zu eine Million Barrel zum Basisvolumen des Konzerns beitragen.

In der nächsten Handelswoche gehen wir von einer weiterhin volatilen Entwicklung aus. Auch wenn der Rebound in dieser Woche ein gutes Signal darstellt, fiel die Erholung nur bei eher geringen Volumina aus. Die weitere Entwicklung des Yen im Hinblick auf die Auflösung von Carry-Trades, die schwächelnde Wirtschaft, aber auch politische Unsicherheiten sowie die immer größer werdenden Probleme im Immobilienbereich bergen noch weiteres Abwärtspotenzial für die amerikanischen Aktienmärkte.

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