Bundestheater-Novelle bleibt Diskussionsstoff

9. März 2007, 13:43
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Burgtheater-Chef Klaus Bachler: "Herrscht der Neoliberalismus nun im Unterrichtsministerium? Diese Novelle löst keine Probleme."

Wien - Nach Staatsopern-Direktor Ioan Holender meldet sich nun auch Burgtheater-Chef Klaus Bachler kritisch zur geplanten Novelle des Bundestheater-Organisationsgesetzes zu Wort. "Ich bin mehr als überrascht, dass das Erste, was ich von einem sozialdemokratischen Kulturministerium höre, der Wunsch nach einer privatwirtschaftlich geführten Theaterholding ist", meint Bachler in der Tageszeitung "Die Presse", "War jetzt doch kein Regierungswechsel? Herrscht der Neoliberalismus nun im Unterrichtsministerium? Diese Novelle löst keine Probleme."

Die geplante Novelle sieht eine Stärkung der Holding vor, die künftig über die Aufteilung der Basisabgeltung an die einzelnen Tochtergesellschaften entscheiden soll. "Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir die Holding in der Finanzgestion stärken müssen", hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) kürzlich betont. Bachler kommentiert das Vorhaben äußerst kritisch: "Ich hoffe, dass das keine Nebelkanone ist, nach dem Motto: Teilt das Geld untereinander anders auf, dann braucht die Politik keines in die Hand zu nehmen. Was wir brauchen, ist eine Gesetzesänderung in Richtung Universitäten: Es gibt eine Grundsicherung und eine Grundanpassung. Im Rest hat man Freiheit und Selbstständigkeit. Umverteilung nützt den Theatern nichts!"

So wie Holender kritisiert auch Bachler, dass die betroffenen Theater zuvor nicht gefragt worden seien: "Wir waren weder involviert, noch sind wir konsultiert worden. Das ist eine Initiative der neuen Regierung und des Kulturministeriums. Und das Ganze ist ein riesiger Irrtum!" Eine Holding sei "eine Dachorganisation für gewinnorientierte Unternehmen" und könne für Non-Profit-Unternehmen nicht funktionieren: "Was soll die Holding verteilen, wenn es nichts zu verteilen gibt?" In der laufende Saison wird das Burgtheater - ebenso wie im Geschäftsjahr 2005/06 - allerdings nur dank der Holding trotz eines voraussichtlichen Jahresfehlbetrags von 2,4 Mio. Euro ausgeglichen bilanzieren können. (APA)

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