(Selbst-)Befreiung einer Frau

15. März 2007, 12:46
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"Wie man wird was man ist" rund um gesellschaftliche Zwänge feierte im Kosmos Theater Premiere

Wien - Papiertaschen zieren den Theaterraum. Ursprünglich und zum Teil noch weiß sind sie nun in der Mehrheit bunt; voller Botschaften, Geschichten und Bilder von Menschen unterschiedlichen Alters; mal beklebt, bemalt, gefaltet oder auch "nur" geschnitten. Mitten im Zentrum stehen die Bühnenteile des Stücks "Wie man wird was man ist", welches zum Internationalen Frauentag am Donnerstag Abend im Kosmos Theater in Wien Premiere feierte.

"Gerade stehen, lächeln, aber nicht zuviel" - die gebetsmühlenartige Betonung steht für das gesellschaftliche Korsett, in welches Frauen ("Damen") bis weit in das 20. Jahrhundert gezwängt wurden. Rund um Lina Loos' Berichte um männliche Zurichtungen - Jahre später als "Wie man wird was man ist" publiziert - sind die engen Grenzen gesteckt. Selbst- und Fremdzwänge.

Versuchte Formung

Lina Loos (1882-1950), Schauspielerin, Feuilletonistin und Schriftstellerin, heiratete den Architekten Adolf Loos, der seine junge Ehefrau nach seinen Vorstellungen zu formen suchte - eine begreifbare Dramatik auf der Bühne, die sich insbesondere zu Beginn um die ZuschauerInnen spannt. In das Unbehagen über gebrüllte Formversuche hinein kommt die Zuspitzung, in welcher das "Luder"-Potenzial der Ehefrau, vom Mann klar als "meine Frau" gesehen, entdeckt wird. Eine Kehrtwende, in deren Folge sich Lina Loos (gespielt von Monika Pallua) von allen Zwängen zu befreien und auch selbst gesetzte Grenzen zu erkennen beginnt.

In das ergreifende Theaterstück einer (Selbst-)Befreiung mit glänzenden Rollenverkörperungen wurden kunstvoll Einblicke in die Erlebnis- und Erfahrungswelt von inhaftierten Frauen gewebt. Begleitend ist die Ausstellung "Wir_Hier, Frauenkunst unter Strafe" im Theaterfoyer zu sehen, welche vier Jahre Theaterarbeit der geschlossenen Frauenabteilung in der Justizanstalt Wien Favoriten unter der künstlerischen Leitung von Beate Göbel dokumentiert.
(Daniela Yeoh)

Details

Mit: Monika Pallua, Christoph Prückner, Thomas Stolzeti, Isabella Wolf und den Frauen der Justizanstalt Favoriten

Regie: Beate Göbel
Bühnenbild: Gabriele Heidecker
Musik: Marcelo Cardoso Gama, Eva Königer
Kostüme: Renée Brem, Maria Pointner
Dramaturgie: Petra Unger
Biografische Aufstellungsarbeit: Andrea Poppinger
Video: Helmut Prochart, Laurent Ziegler
Assistenz: Yvonne Czermak.

"Wie man wird was man ist"
Von Lina Loos
Kosmostheater,
Siebensterngasse 42, 1070 Wien
in Kooperation mit dem Verein Impulsein.
Von 8. März bis 17. März, außer Sonntag und Montag.
Beginn: 20.30 Uhr

Ausstellung "Wir_Hier, Frauenkunst unter Strafe"
im Foyer des Kosmos Theaters, bis 17. März täglich ab 19 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen (außer Sonntag und Montag).
  • Isabella Wolf und Monika Pallua (v.l.n.r.), (Foto: Bettina Frenzel)
    foto-copyright: bettina frenzel
    Isabella Wolf und Monika Pallua (v.l.n.r.), (Foto: Bettina Frenzel)
  • Monika Pallua und Thomas Stolzeti (v.l.n.r.), (Foto: Bettina Frenzel)
    foto-copyright: bettina frenzel
    Monika Pallua und Thomas Stolzeti (v.l.n.r.), (Foto: Bettina Frenzel)
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