Fraunhofer: Wasserzeichen statt DRM sollen Musik schützen

9. Juli 2007, 11:20
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"DRM im Endkundenbereich schadet heute oft mehr als es nutzt" - Audio-Dateien sollen eindeutig gekennzeichnet werden

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) hat eine marktreife Wasserzeichen-Software präsentiert, mit der Plattenfirmen und Filmstudios Multimedia-Dateien digital markieren können. Dabei können handelsübliche CD-Kopiergeräte eingesetzt werden. Einmal mit einem individuellen unsichtbaren Wasserzeichen ausgestattet, lässt sich die an einen bekannten Empfänger ausgelieferte CD oder DVD zurückverfolgen, wenn eine Kopie des Medienträgers im Internet auftaucht. Mit der Lösung könne verhindert werden, dass vorab ausgegebene Promo-Kopien an Medienvertreter oder Geschäftspartner schon vor dem offiziellen Verkaufsstart eines Albums oder Films im Netz verbreitet werden.

Wasserzeichn

"Da jede gebrannte CD mit einem individuellen Wasserzeichen versehen wird, lässt sich beim Auftauchen eines Songs im Internet genau nachvollziehen, an wen die CD geliefert wurde", erklärt Martin Steinebach, Wasserzeichen-Experte am Fraunhofer-Institut SIT, im Gespräch mit pressetext. Die Lösung, die auch in der kommenden Woche auf der CeBIT vorgestellt werden soll, sieht er als kostengünstige und komfortable Alternative zu einer Implementierung von Digital Rights Management (DRM). "DRM ist für viele Firmen zu aufwändig und zu teuer. Im Endkundenbereich schadet es heute oft mehr als es nutzt, da es für die Benutzer in der Praxis sehr unbequem ist", so Steinebach.

Lizenz

Während DRM die Lizenznutzung an ein bestimmtes Gerät wie einen PC koppelt, bleibt die Wasserzeichentechnologie für die Benutzer unsichtbar. Der Datenträger ist auf kein bestimmtes Abspielgerät festgelegt und kann auch problemlos für den Eigenbedarf kopiert werden. Landet das Material allerdings illegal in Tauschbörsen im Internet, kann es über eine spezielle Suchsoftware aufgespürt und dem ursprünglichen Empfänger zugeordnet werden. Um größere Datenmengen bewältigen zu können, haben die Fraunhofer Forscher das Programm so weiterentwickelt, dass sich mehrere Rechner zusammenschließen lassen, um gemeinsam Tauschbörsen nach illegalem Material zu durchsuchen.

Nicht für den Massenmarkt

Steinebach zufolge sind sowohl DRM- als auch Wasserzeichen-basierte Lösungen im physischen Massenmarkt allerdings kaum umsetzbar, da durch das anonyme Bezahlen an der Kassa die persönliche Zuordnung verloren gehe. Bei Online-Downloads hingegen erlaube das Wasserzeichen-System eine weitaus flexiblere Handhabung von erworbenen Multimedia-Inhalten. "Anstatt die Nutzung auf einen bestimmten PC oder ein Abspielgerät zu beschränken, wird der Anwender bei der Wasserzeichen-Lösung gezwungen, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen", so Steinebach abschließend. (pte)

  • Wasserzeichen in Audio-Datei
    foto: sit.frauenhofer.de

    Wasserzeichen in Audio-Datei

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