Wesentlicher Schritt in Richtung "Banken der Regionen"

24. Juli 2000, 14:17

Politiknähe der Bank Austria könnte für Probleme sorgen - Transaktion wurde lange und sorgfältig geplant

Wien - Der geplante Zusammenschluss der bayerischen HypoVereinsbank (HV) und der Bank Austria (BA) zur drittgrößten Bank Europas beschäftigt am Montag die deutsche Presse. Der Banken-Deal wird von den führenden deutschen Tageszeitungen durchwegs positiv kommentiert, vor allem in Hinblick auf die damit erreichte starke Stellung der neuen Bankengruppe in den Ländern Ost- und Mitteleuropas. Die Übernahme sei jedoch angesichts der Beteiligungsstrukturen "nicht ganz einfach".

"Handelsblatt":

Mit der Bank Austria gewinne die HypoVereinsbank einen Partner, der ihr die Tür zum Markt in Mittel- und Osteuropa öffnet schreibt das "Handelsblatt" über die geplante Übernahme der Bank Austria durch die HypoVereinsbank. Durch die Integration der Bank Austria sei der HypoVereinsbank "der machtvolle Einstieg in Auslandsmärkte verbunden mit einer landesweiten Ausbreitung" gelungen. Der Banken-Deal habe für die zweitgrößte deutsche Privatbank jedoch nicht nur eine rein strategische Bedeutung: "Hypo-Bank und Vereinsbank sind sehr mühevoll vereint worden, was nicht zuletzt an dem milliardenteuren Immobilienskandal gelegen hat. Der Zukauf in Österreich scheint nun die erste durchweg positive Nachricht für die Bank in den letzten Jahren zu werden."

"Die Welt":

Der Einstieg der HypoVereinsbank bei der Bank Austria sei zwar "sorgfältig eingefädelt und strategisch durchdacht", schreibt die Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Montagausgabe, die "Politiknähe der Bank Austria könnte jedoch für Probleme sorgen". Die Stadt Wien würde bei der Transaktion zu einem der größten Einzelgesellschafter des Münchner Kreditinstituts mit einem Anteil von sechs bis sieben Prozent. Damit läge sie etwa im Kaliber des Freistaats Bayern. Dieser Aspekt sei insofern nicht unbedeutend, als bei der Bank Austria "trotz eingeleiteten Rückzugs noch immer eine enge Verzahnung mit der Politik herrsche und die Gewerkschaften über einen großen Einfluss verfügen". Man dürfe daher gespannt sein, wie sich dieser Aspekt "auf den vorhandenen Restrukturierungsbedarf, auf den Abbau der Arbeitsplätze und die Ausdünnung des Filialnetzes der Österreicher auswirkt".

"Süddeutsche Zeitung":

HVB-Chef Albrecht Schmidt sei mit dem Banken-Deal "einen weiteren Schritt vorangekommen auf seinem Weg zur Bank der Regionen in Europa", steht es in einem Kommentar zur bayerisch-österreichischen Bankenehe in der Süddeutschen Zeitung. Mit der Übernahme habe das Münchner Kreditinstitut nicht nur seine Position in Österreich und in Osteuropa verstärken können sondern hat durch den Deal die "explizite Strategie konsequent weiterverfolgt, in bestimmen europäischen Märkten in bestimmten Geschäftsbereichen eine Marktstellung über Akquisitionen aufzubauen." Weniger euphorisch dürfte jedoch die Übernahme in Österreich gesehen werden. Dass ausgerechnet eine deutsche Großbank die größte österreichische Bankengruppe übernimmt "wird in Felix Österreich nicht von allen freudig begrüßt werden". Die nun vereinbarte Übernahme sei angesichts der Beteiligungsstrukturen "nicht ganz einfach".

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ):

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung räumt der Bankenehe gute Voraussetzungen ein. Erstmals sei es in Europa zu einer größeren grenzüberschreitenden europäischen Transaktion gekommen, die von langer Hand geplant wurde und durch die beide Seiten profitieren könnten. Dies könnte ein gelungener Startschuss für weitere europäische Bankenfusionen sein. (APA)

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