Schachner: Trennende Philosophien

17. März 2007, 22:44
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Der Trainer und 1860 München haben sich auseinandergelebt, es fehlten die gemeinsamen Perspektiven - Amateur-Trainer wird Nachfolger

München - Es ist im Fußball Usus, dass bei Vertragsauflösungen "Stillschweigen" vereinbart wird. Als würde das Schweigen alleine nicht reichen, hat es auch noch still zu sein. Wobei das Faktum an sich schon publik gemacht wird (würde auffallen, wenn einer plötzlich weg ist). Es geht um die Modalitäten der Trennung, zum Beispiel um die Höhe der Abfertigung. Davon soll die Öffentlichkeit aber wenig bis nichts erfahren.

Walter Schachner hat jedenfalls seinen Trainervertrag mit dem deutschen Zweitligisten 1860 München per 30. Juni 2007 aufgelöst. Vorzeitig, der 50-jährige Steirer hätte eigentlich ein Jahr länger bleiben sollen. Die Trennung erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen, die andere Seite war und ist immer noch Sportdirektor Stefan Reuter. Am Donnerstagabend hat man sich zwei Stunden lang unterhalten, das Ergebnis wurde dann am Freitag präsentiert. "Unser gemeinsames Ziel ist, die Saison professionell fertig zu spielen", sagte Reuter. Wobei es sich dabei um eine reine Floskel handeln dürfte. Sollten die Löwen am Montag in Kaiserslautern eine aufs Maul bekommen, wäre die Saison für Schachner vermutlich schon im März vorbei. 1860 müsste weitertun. Ohne Perspektiven, man ist derzeit Achter, auf einen Aufstiegsplatz fehlen acht Punkte. Angeblich steht Fürth-Coach Benno Möhlmann bereits vor der Tür der Allianz-Arena.

"Ich bin froh, dass die Spekulationen um meine Person jetzt ein Ende haben. Wer mich kennt, der weiß, dass ich hier bis zum Schluss für den Verein alles geben und mich hundertprozentig engagieren werde", wird Schachner in einer Aussendung des Klubs zitiert. Sein Manager Frank Schreier nennt die fehlende sportliche Perspektive als Scheidungsgrund. "Walter Schachner ist unter anderen Voraussetzungen zu 1860 München gekommen. Er wollte direkt in die erste Bundesliga aufsteigen, das ist leider nicht gelungen. Die Philosophien von Walter Schachner und TSV 1860 München sind/waren leider nicht vereinbar", teilte der Manager mit. Am 24. Jänner 2006, zwei Wochen nach seiner Beurlaubung vom GAK, trat Schachner die Nachfolge von Reiner Maurer an. Um die Saison auf Rang 13 zu beenden.

Italien als Traum

Wo Schachner künftig arbeitet, werden laut Schreier die "nächsten Wochen" klären. "Das Ausland hat Priorität. Sein Traumland wäre Italien." Mit dem FC Kärnten (Inland) wurde jedenfalls noch nicht gesprochen. 1860 war die fünfte Trainerstation im Leben des Walter Schachner. Zuvor werkte er in Zeltweg, beim FC Kärnten, der Austria und dem GAK, wo seine Philosophie zum Meistertitel im Jahre 2004 führte. Der frühere Bundesliga-Profi Marco Kurz wird und bisherige Coach der Regionalliga-Mannschaft wird die Agenden von Schachner in der neuen Saison laut "Löwen"-Geschaftsführer in der neue Saison übernehmen. "Marco Kurz ist ein Trainer, der perfekt in unser Anforderungsprofil passt", erklärte der ehemalige Bayern-Profi bei der Verpflichtung des neuen Übungsleiters. (DER STANDARD Printausgabe 10.03.2007)

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    Walter Schachner hat sich in München wohl mehr erwartet, der Klub vermutlich auch.

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