Investiert wird wie wild

27. März 2007, 12:49
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Der Konjunkturmotor läuft auf Hochtouren, laut Wifo bleibt das noch länger so

Wien - Im Vorjahr ist das Bruttoinlandsprodukt real um 3,2 Prozent gewachsen, auch für heuer sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) "keinerlei Hinweise auf eine Abschwächung", heißt es im aktuellen Konjunkturbericht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Ein europaweiter Investitionsboom und damit einhergehende Exporte heimischer Firmen treiben das Wachstum.

Noch entwickle sich der Konsum der privaten Haushalte schwach, allerdings erwarten die Ökonomen, dass die Nachfrage mit dem Fortdauern der günstigen Wirtschaftslage anspringen werde. Die Inflation ist "ungewöhnlich niedrig für diese Konjunkturphase", was aber durch die Konsumfaulheit zu erklären sei. Der Arbeitsmarkt profitiere jedoch europaweit mittlerweile vom Boom, sodass sich die Einkommenssituation verbessere, so das Wifo weiter.

Kapazitätsausweitung

Laut "Investitionstest" des Wifo wollen die Unternehmen ihren Kapitalstock heuer abermals deutlich ausweiten. Die Investitionsnachfrage hat bereits 2006 kräftig angezogen, die Bruttoanlageinvestitionen nahmen um 4,7 Prozent zu (Ausrüstungen: plus 5,3 Prozent; Bauten: plus 4,6 Prozent). "Wichtigstes Investitionsmotiv vor allem der größeren Betriebe ist die Ausweitung der Kapazitäten", bemerkt das Wifo dazu.

"Hervorragend" sei das Exportergebnis im Jahr 2006 gewesen: Waren und Dienstleistungen zusammengerechnet, ergibt sich eine Zuwachsrate von 8,5 Prozent. Wenn man die Güterausfuhren allein hernimmt, plus 10,2 Prozent - eine fast doppelt so hohe Zuwachsrate im Vergleich mit dem Jahr 2005. Heuer werde sich "die Expansion etwas beruhigen". Zwar dürfte sich der innereuropäische Handel nach wie vor rege entwickeln, die Nachfrage aus Übersee - in erster Linie aus den USA - werde aber nachlassen.

Trotz Hochkonjunktur ist die Inflationsrate mit 1,6 Prozent für das Gesamtjahr 2006 bemerkenswert niedrig. Hier sei laut Wifo Folgendes zu beobachten gewesen: Der dämpfende Effekt des frühen Winterschlussverkaufs habe den raschen Anstieg der Strom- und Gaspreise ausgeglichen.

Deutlich weniger Arbeitslose

"Außerordentlich stark fallen hingegen die Reaktionen auf dem Arbeitsmarkt aus", schreibt das Wifo weiter. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten war im Februar 2007 um fast 79.000 höher als im Vorjahr. "Dieser Zuwachs von 2,6 Prozent war der höchste seit 16 Jahren." Zugleich ging die Zahl der Arbeitslosen deutlich zurück - um 35.000 oder 11,2 Prozent. Die Quote sank (nach nationaler Berechnungsmethode, also die beim AMS registrierten Beschäftigungslosen) auf 7,8 Prozent (1,1 Prozentpunkte unter der Quote des Vorjahres).

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein schickte indessen die vor wenigen Wochen noch wild umstrittene "Verordnung zur Überziehung der Bundeshöchstzahl für die befristete Beschäftigung von ausländischen Fachkräften" zur Begutachtung aus. Sie hat zwei Paragrafen. Im ersten heißt es, dass für maximal 800 Fachkräfte aus den Fachberufen Dreher, Fräser und Schweißer, die an sich den Übergangsbestimmungen zur EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit unterliegen, Bewilligungen zur Beschäftigung erteilt werden dürfen - für maximal 50 Wochen. Im zweiten Paragrafen steht, dass die Verordnung mit 31. Dezember 2007 außer Kraft tritt.

AK-Warnung vor "Lohndumping"

In den Erläuterungen zur Verordnung heißt es, dass der Minister nach Bedarf eine weitere Fachkräfteverordnung erlassen könnte. Das AMS müsse bis Ende September eine "österreichweite Fachkräfteerhebung" veranstalten.

Die Arbeiterkammer merkte dazu am Freitag an, dass die Betriebe schon jetzt über die Regelung der "Schlüsselarbeitskräfte" Facharbeiter bekommen könnten, allerdings nur zu einem Bruttomonatslohn von mindestens 2304 Euro. Die Arbeiterkammer befürchtet "Lohndumping" durch die neue Regelung. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.3.2007)

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