Kulinar(r)ischer Abwehrkampf

11. März 2007, 18:00
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Jörg Haider ist erregt - Der Grund: eine Broschüre, in der slowenische und Kärntner kulinarische Highlights dokumentiert sind

Klagenfurt - Eine Kärntner Erregung. Wieder einmal. Die slowenische Landwirtschaftskammer hatte sich mit der Kärntner Fremdenverkehrsinitiative "Urlaub am Bauernhof" zu einem gemeinsamen, EU-kofinanzierten Tourismusprojekt zusammengefunden. Es sollte die außergewöhnlich Kulinarik dieser Kärntner-slowenischen Region beworben werden. Mit dem Slogan: Werbeslogan: "Grenzenlos genießen".

Die kulinarischen Tipps wurden in einer Broschüre dokumentiert. Auf der slowenischen Homepage ist da - auch auf Deutsch - zu lesen: "Grenzenlos genießen heißt auch Reisen zu den schönsten und kulinarisch interessantesten Plätzen Kärntens. Man begibt sich auf interessante Genuss-touren, verkostet feinste Produkte aus landwirtschaftlichen Rohstoffen der einzelnen Regionen, übernachtet auf kuscheligen Kärntner Bauernhöfen oder kehrt in gemütliche Gasthöfe ein."

"Nationalistische Provokation"

Für diese Werbung Kärntens bekamen die slowenischen Partner jetzt die Antwort des nördlichen Nachbarlandes: Landeshauptmann Jörg Haider polterte ob dieser "nationalistischen Provokation". Sie zeige einmal mehr, dass Slowenien die "festgelegten Grenzen" nicht akzeptieren wolle und nach wie vor Gebietsansprüche in Kärnten stelle. Welche Provokation: Die im Rahmen dieses Interreg-Projektes gestaltete Broschüre enthielt teils zweisprachige Ortsbezeichnungen.

"Aufgedeckt" hatte diesen Skandal die Kärntner Kronen Zeitung, auf die sich Haider bezog. Die Regionalausgabe hatte unter dem Titel "Slowenien vereinnahmt halb Kärnten" über die "zweisprachige" Tourismusbroschüre berichtet.

Die Projektleiterin im regionalen Büro der slowenischen Landwirtschaftskammer, Vesna Cucek, war in einer ersten Reaktion gegenüber der Austria Presseagentur "fassungslos" über die Vorwürfe aus Kärnten. Es sei ein ganz normales europäisches Tourismusprojekt. "In Wirklichkeit machen wir Werbung für Kärnten", sagte Cucek.

Wie auch wirtschaftlich problematisch der Kärntner "Abwehrkampf" zunehmend wird, zeigt sich auch am Milliarden-Projekt der Koralmbahn. Zu dieser Tunnel-Bahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt existiert eine Alternativroute von Graz über Maribor nach Klagenfurt. Bei den ÖBB hält man das für eine weitaus günstigere, weil EU-kofinanzierte Variante. Kärnten sagt strikt Nein. BZÖ- Verkehrslandesrat Gerhard Dörfler sagte kürzlich zum Standard: "Österreichisches Geld für die Nachbarn, das wird es nicht spielen. (Walter Müller, DER STANDARD print, 9.3.2007)

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