Skoceks Zeitlupe: Debakelpolitik

9. März 2007, 11:23
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Das Derby hätte abge­brochen werden müssen: Strafverifizier­ung mit 0:3 gegen die Austria. Traut sich das keiner?

Das Wiener Derby endete mit zwei Blamierten. Rapid verlor 1:2, steckt wieder im Abstiegskampf, angesichts der Hilflosigkeit von Trainer Peter Pacult und Goalie Helge Payer ein Horrortrip.

Weit schwerer wiegt die Niederlage der Wiener Polizei: zugriffstaktische Fehler, schlechte Einsatzleitung, Verwirrung statt Deeskalation. Innenminister Günther Platter und der Sicherheitsbeauftragte für die EURO 2008, Günther Marek, blasen Phrasen von "Prävention" und "permanenter Evaluierung" - Chaos.

Das Spiel hätte abgebrochen und die Problemtribünen geräumt werden müssen: Strafverifizierung mit 0:3 gegen die Austria. Traut sich das mit dem Tabellenletzten keiner? Lieber Menschenleben riskieren? Payer wurde von einer brennenden Rakete getroffen. Die Glatzen auf der von Rapidlern besetzten Osttribüne übten mit Eisenbänken Zielschießen auf Polizisten. Soll ein Fan, ein Spieler oder ein Beamter schwer verletzt, getötet werden?

Die Polizisten im Stadion können am wenigsten dafür, sie halten für die hirnrissige Sparpolitik der Innenminister Ernst Strasser und Liese Prokop den Kopf hin. Österreichs und vor allem Wiens Polizeikräfte sind am Ende, die Verbrechensstatistiken werden regelmäßig neu bewertet und können so krass geschönt werden. Die Kader sind weit von der Sollstärke entfernt, die Dienstpläne zerstören die Männer und ihre Familien.

Die Rapid-Ultras luden ungarische, die violetten Krawallisten polnische Raufhanseln zum Derby, um die Polizei zu testen. Sie fuhren beruhigt heim und trainieren auf der Blutwiese für die EURO. Die Polizisten haben Videos davon. Kaum einer meldet sich in Wien zur Vorbereitung auf die EURO. Wer geht schon freiwillig in ein Debakel? (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 9. März 2007)

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