Könnten sich Sarkozy und Bayrou nicht so weit neutralisieren, dass Le Pen Ende April erneut in den zweiten Wahlgang vorstößt? - von Stefan Brändle
Aus zwei mach drei: Nach Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy hat in Frankreich auch der Mittepolitiker François Bayrou ernsthafte Chancen auf die Chirac-Nachfolge. Er profitiert von der inhaltlichen Schwäche seiner beiden profilneurotischen Rivalen, bietet aber auch Reformvorschläge wie etwa Wahlproporz und Schuldenabbau, die ihn in Frankreich zu einer Art Realo-Revolutionär machen.
Doch gewonnen hat er noch lange nicht. Wenn ihm die Franzosen in den neusten Umfragen die Gunst geben, dann machen sie vor allem klar, dass sie allein über den künftigen Elysée-Gebieter entscheiden wollen - nicht die Parteien oder Medien, die das Duell "Ségo" vs. "Sarko" bereits für ausgemacht hielten. Die störrischen Franzosen folgen damit einem ähnlichen Reflex wie 2002, als sie sensationell den Rechtsextremisten Le Pen in die Stichwahl schickten - vor allem, weil sie das vorgezeichnete Szenario Chirac vs. Jospin nicht mochten.
Das wirft die Frage auf, ob aus drei auch vier werden könnten: Könnten sich Sarkozy und Bayrou nicht so weit neutralisieren, dass Le Pen Ende April erneut in den zweiten Wahlgang vorstößt? Der 78-jährige Chef des Front National kommt in den Umfragen nur auf 12 Prozent, das Spitzentrio auf Werte um die 25. Doch das will nicht viel heißen; die Umfragen sind so unsicher wie die Wähler wankelmütig. Le Pen ist immer dann stark, wenn die anderen Kandidaten am Volk vorbeipolitisieren. Der "kleine Mann" will überzeugende Antworten zu Themen wie Arbeitslosigkeit und Globalisierung. Die Spitzenkandidaten müssen dafür sorgen, dass die Debatte an Substanz und nicht bloß an rhetorischer Schärfe (worin Le Pen der beste ist) gewinnt. Anders als 2002 können sie von dem vierten Mann nicht mehr sagen, sie hätten um die Gefahr "nicht gewusst". (DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2007)