Archiv für Videokunst

8. März 2007, 19:31
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Das Ursula Blickle Videoarchiv ist ein stetig wachsendes Archiv für Studierende, Kunsthistoriker und ein interessiertes Publikum

... um Forschungsarbeit mit dem Medium Video zu ermöglichen.


Wien - Man kennt das ja: Die Häufung von Medienkunst und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Ausstellungen oder Biennalen passen rein zeitlich nicht wirklich zueinander. Und: Videokünstler - worunter hier jetzt, ebenso wie im Fall des Ursula Blickle Videoarchivs, all jene Künstler gemeint sind, die bewegte Bilder liefern, egal ob diese zunächst auf Film oder Video gebannt bzw. als Animation angelegt wurden - leben von streng limitierten Auflagen.

Und also sind jene Videos, die man anlässlich der gerade letzten Biennale wieder einmal nicht geschafft hat, im kommerziellen Erfolgsfall oft genug später nicht mehr zugänglich. Und vergleichende Studien haben sich bisher ohnehin mühsamst gestaltet. Meist standen nur Stills zur Verfügung, das geforderte Gedächtnis zwecks kritischen Vergleichs zu stützen. Videokunst fand sich wohlkonzentriert in einzelnen - über den Globus verstreuten - Sammlungen. So etwas wie eine auch nur vom Ansatz her auf Vollständigkeit angelegte Bibliothek gab es nirgendwo - sowohl aus urheberrechtlichen wie aus technologischen Gründen. Mit dem Ursula Blickle Videoarchiv, einer Kooperation von Ursula Blickle Stiftung, Kunsthalle Wien und Universität für angewandte Kunst in Wien, ist nun erstmal ein Vorstoß in diese Richtung unternommen worden.

Das Archiv steht ab sofort jedem Interessierten zur Verfügung und bietet gleich zum Start gut 1000 Arbeiten von etwa 450 Künstlern. Abzurufen entweder spielerisch via Touchscreens im Foyer der Kunsthalle oder - mit erweiterten Suchoptionen und der Möglichkeit zur parallelen Sichtung - auf Terminals in der Kunsthalle, der Bibliothek der Angewandten und ab Herbst in den Räumen der Blickle Stiftung in Kraichtal.

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien: "Konzipiert als digitale Handbibliothek für studentische, wissenschaftliche und kuratorische Praxis bietet das Archiv kompetente Informationen über neueste Tendenzen in der Videokunst sowie lebendige Kunstgeschichte. Zudem ist das Archiv eine Informationsplattform für österreichische Videokunst, die sich besonders an Zielgruppen wie Kuratoren und Studenten richtet."

Nicht belastet durch Sammeln und Konservieren, sondern als Zentrum der Kunstvermittlung in Zusammenarbeit mit der Angewandten entwickelt, werden in der Ursula Blickle Videolounge mittels der großen Projektionswand Vorlesungen veranstaltet. Ab März 2007 wird das Archivsystem von Professoren und Dozenten mit seinem vollen Funktionalitätsumfang zur Ausbildung und Lehre von Studenten genützt.

Ursula Blickle: "Wichtig war mir nicht nur die Präsentation, sondern auch Forschung und Lehre von Videokunst zu unterstützen. Außerdem wird das Archiv auch die Informationsplattform für österreichische Videokunst, die sich besonders an Zielgruppen wie Kuratoren und Studenten richtet." Und Gerald Matt ergänzt: "Gelungen ist uns eine Verbindung von privatem Engagement, Universität und Ausstellungshaus, die europaweit einzigartig ist. Dies ist das Modell zur Förderung und Sichtbarmachung von zeitgenössischer Videokunst"

Unter den 1000 Titeln von ca. 450 nationalen wie internationalen Künstlern finden sich unter anderen Arbeiten von Heike Baranowsky, Ellen Cantor, Wolfgang Capellari, Carola Dertnig, Nathalie Djurberg, Harun Farocki, Rainer Ganahl, Daniel Gimelberg, Anna Jermolaewa, Susi Jirkuff, William Kentridge, Imi Knoebel, Peter Kogler, Roberta Lima, Tracey Moffatt, Muntean/Rosenblum, Takeshi Murata, N.I.C.J.O.B., Marcel Odenbach, Nam June Paik, Ulrike Rosenbach, Constanze Ruhm, Kiki Seror, Erwin Wurm, Heimo Zobernig. Die Kunstvideos sind ausschließlich vor Ort einzusehen. Ab März gibt es auch die Möglichkeit, über die ursulablicklevideoarchiv.com Homepage in der Datenbank zu suchen. Online sind die Videos aus Copyrightgründen nicht verfügbar.

Einmal jährlich wird neben dem Ursula Blickle Videopreis für einen künstlerisch arbeitenden Studenten ein weiterer Preis für eine theoretische Arbeit vergeben werden. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.3.2007)

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    montage: der standard
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