Deutscher Mitarbeiter der Welthungerhilfe erschossen

11. März 2007, 18:21
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Provinzgouverneur bestätigt Überfall auf Konvoi - Steinmeier verurteilt "hinterhältigen Mord"

Mazar-i-Sharif/Berlin - Im Norden Afghanistans ist am Donnerstag ein deutscher Entwicklungshelfer von bewaffneten und vermummten Männern überfallen und gezielt erschossen worden. Nach Angaben von Provinzgouverneur Sayed Iqbal Munib ließen die Angreifer drei afghanische Kollegen des Mitarbeiters der Welthungerhilfe (WHH) laufen, während sie auf diesen die tödlichen Schüsse abfeuerten.

Das afghanische Innenministerium machte die radikalislamischen Taliban für den Tod des Deutschen verantwortlich. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den "hinterhältigen Mord" an dem WHH-Mitarbeiter und erklärte, die Bundesregierung werde alles daran setzen, "die Täter zur Rechenschaft zu ziehen".

Eine WHH-Sprecherin in Bonn bestätigte den Tod des Deutschen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Abend mit, ein Arzt der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) haben den WHH-Mitarbeiter identifiziert. Nach Angaben der WHH-Sprecherin wurden zwei Autos, in denen der Deutsche und drei Ortskräfte unterwegs waren, gegen 12.30 Uhr MEZ von zwei vermummten Männern rund drei Autostunden von der Stadt Sar-e-Pol angehalten. Die Afghanen wurden beschimpft, weil sie für ausländische Organisationen arbeiteten und dann weggeschickt. "Als die Mitarbeiter zurück zum Fahrzeug kamen, lag der deutsche Mitarbeiter schwer verletzt am Boden."

Sowohl Ärzte der Bundeswehr als auch Sicherheitskräfte seien auf dem Weg, um die genauen Umstände festzustellen, hieß es in einer WHH-Erklärung. Der Mitarbeiter war nach Angaben der Organisation für einen Kurzzeiteinsatz in Afghanistan, um gemeinsam mit einheimischen Ingenieuren Baustellen zu besichtigen. Steinmeier beklagte, die Täter hätten einen Menschen getötet, der sein Leben "in den Dienst des Wiederaufbaus Afghanistans und der Hilfe für seine Menschen gestellt" habe.

Die Welthungerhilfe engagiert sich seit 1980 in Afghanistan. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen seit 2003 der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz. Im Rahmen des Nationalen Sicherheitsprogramms baut die WHH im Norden Afghanistans Schulen, Brücken und Krankenhäuser wieder auf.

Vor knapp einem halben Jahr wurden im bisher vergleichsweise ruhigen Norden Afghanistans die 30-jährige Karen Fischer und der 38-jährige Christian Struwe erschossen. Die Reporterin und der Techniker waren zu Recherchen in die afghanische Provinz Bamiyan unterwegs, wo die fundamentalistischen Taliban im März 2001 weltberühmte Buddha-Figuren gesprengt hatten. Die Angreifer erschossen die beiden Deutschen, freie Mitarbeiter der Deutschen Welle, nachts in ihrem Zelt.

Im Süden Afghanistans verwundeten zwei Selbstmordattentäter am Donnerstag mindestens fünf Zivilisten. Ein mit Bomben bestücktes Auto explodierte in Kandahar nach Polizeiangaben in der Nähe eines Konvois mit kanadischen Soldaten der ISAF-Schutztruppe. Die Soldaten blieben unverletzt, unter den fünf Verletzten waren drei Kinder. Ein britischer NATO-Soldat erlag nach Kämpfen mit Aufständischen in Helmand seinen Verletzungen. Die ISAF hatte am Dienstag gemeinsam mit afghanischen Soldaten eine große Frühjahrsoffensive im Süden des Landes begonnen. (APA)

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