Tschechien darf Prostitution aus öffentlichem Raum verbannen

8. März 2007, 16:46
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Verfassungsgericht hebt das Heranbilden von Sitte und Moral in mit Spannung erwartetem Urteil hervor

Prag - Die Prostitution in Tschechien darf laut einem mit Spannung erwarteten Grundsatzurteil von Kommunen des Landes völlig aus dem öffentlichen Raum verbannt werden. Das kommerzielle Anbieten sexueller Dienste könne bei Heranwachsenden den falschen Eindruck erwecken, dass solche Handlungen einen Normalfall darstellen würden, entschied das Verfassungsgericht in Brno (Brünn) am Donnerstag.

Jedoch sei das Heranbilden von Sitte und Moral wichtiger als die möglichen Nachteile eines Verbots der Straßenprostitution. Der Prozess war vom Prager Innenministerium wegen einer Verordnung der nordböhmischen Stadt Usti nad Labem (Aussig) angestrengt worden.

Verbot und Aufhebung

Darin hatte die grenznahe Kommune unter anderem das Betteln und das Konsumieren von Alkohol im öffentlichen Raum verboten. Diese Bereiche erklärte das Gericht für verfassungswidrig, Prostitution hingegen dürfe in geschlossene Gebäude verwiesen werden. Dabei müsse die Stadt nicht einmal den öffentlichen Raum konkret benennen, sagte Sprecherin Ivana Janu der Prager Nachrichtenagentur CTK.

Und obwohl käuflicher Sex gesetzlich nicht geregelt sei, dürften Kommunen dies in Verordnungen regeln, sagte sie. Nach Schätzungen des Prager Innenministerium verdienen in Tschechien rund 25.000 Frauen und Männer ihr Geld mit Prostitution.

Straßenprostitution ist vor allem im Gebiet zu den Bundesländern Bayern und Sachsen sowie zu Österreich verbreitet. Schon seit Jahren fordern Tschechiens Kommunen von der Regierung verbindliche Regeln zur Beschränkung der mancherorts ausufernden Prostitution.

Nach Angaben des Statistikamtes in Prag bescheren Tschechen und ausländische Sex-Touristen dem Rotlichtmilieu in Tschechien jedes Jahr einen Umsatz von durchschnittlich rund 850.000 Euro täglich. Schätzungen zufolge werden jährlich mehrere Millionen Euro aus Tschechiens Sex-Industrie vor allem in die Ukraine und nach Russland transferiert. (APA/dpa)

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