Musliminnen sollen eigenes Verständnis der Religion entwickeln

8. März 2007, 15:42
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Deutschlands Politikerinnen orten Bewegung, jedoch zu wenig Frauen in Führungspositionen

Berlin/Köln - Am Internationalen Frauentag haben Politikerinnen im Deutschen Bundestag gleichen Lohn für Männer und Frauen gefordert. Sie verwiesen darauf, dass viele Frauen keinen Job annehmen könnten, weil es keine ausreichende Betreuung für Kleinkinder gebe. Frauenministerin Ursula von der Leyen beklagte, Frauen in Führungspositionen gebe es viel zu selten. Sie verwies aber auch auf Erfolge der Gleichstellungspolitik: "Frauen haben die Bildung erobert." Seit 1989 sei die Zahl der Frauen in deutschen Parlamenten "sprunghaft gestiegen".

Die Ministerin verlangte gleiche Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben. "Männer sind nicht nur Menschen, die im Beruf stehen", sagte von der Leyen. "Sie haben ein Recht auf aktive Familienpolitik." Vehement wandte sich die Ministerin gegen Gewalt an Frauen. Gleichstellung heiße auch, die Garantie zu haben, "leben zu können, ohne Angst vor Gewalt".

Bewegung

Die frauenpolitische SPD-Sprecherin Christel Humme forderte, den Frauenanteil in der Erwerbstätigkeit zu vergrößern. "Frauen in Führungspositionen lassen sich nach wie vor nur mit der Lupe finden." In der Diskussion über Krippenplätze sei aber viel "in den Köpfen bewegt" worden. Die Linksfraktion forderte mehr Geschlechtergerechtigkeit. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irmingard Schewe-Gerigk, verlangte von der Frauenministerin eine konkrete Benennung der Ziele der Gleichstellungspolitik.

Selbstbewusstsein für Musliminnen

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün ermutige muslimische Frauen, ihre Rolle in der Religion selbstbewusst zu definieren. "Es ist wichtig, dass Frauen den Koran mit dem Blick der Frau lesen", sagte Akgün am Donnerstag in Köln. Der Islam werde oft missbraucht, um Frauen zu unterdrücken. Dagegen sollten Musliminnen unterstützt werden, ihr eigenes Verständnis der Religion zu entwickeln, betonte die türkischstämmige Abgeordnete bei einer Konferenz der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie ermutigte alle islamischen Eltern, ihren Töchtern die gleichen Möglichkeiten zur Entfaltung und Bildung einzuräumen wie Söhnen.

Die Frauenbewegung in muslimisch geprägten Ländern sei leider noch nicht so stark. "Aber sie ist da, und man muss diese Frauen unterstützen, um eine Gleichberechtigung der Frauen herzustellen", betonte die Politikerin.

Hintergrund

Bei der Tagung mit 180 TeilnehmerInnen aus rund 25 Ländern gehe es um einen Austausch unter muslimischen Autorinnen, Frauenrechtlerinnen und Theologinnen. Die Lage der Frauen unterscheide sich stark und hänge auch von den sozialen und wirtschaftlichen Aspekten sowie dem Stand der Demokratie in dem jeweiligen Land ab. Auch die Erfahrungen der feministischen Bewegung in Europa sollten miteinfließen. Da es erst sehr wenige muslimische Feministinnen gebe, sei es besonders wichtig, diese zusammenbringen.

Mit der Konferenz wolle die Stiftung muslimische Frauen unterstützen, die sich für einen progressiven Islam, Pluralismus, Verwirklichung der Menschenrechte, liberale Koran-Interpretation und freie religiöse Praktiken einsetzten. Zu der zweitägigen Konferenz sind TeilnehmerInnen etwa aus Nigeria, Indonesien, Kamerun, Marokko, Afghanistan, Ägypten, dem Libanon, der Türkei, aus Frankreich, Niederlande oder Großbritannien an den Rhein gekommen. (APA/dpa)

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