Wieso die Familie Jukic vor der WM in Melbourne mit Boykott droht

12. März 2007, 00:00
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Trainervater Zeljko und seine Kinder Mirna und Dinko sehen ihren Verein vom Wiener Verband be­nachteiligt, der Konflikt schwelt seit Langem

Wien - "Ein Sturm im Wasserglas", sagt Paul Schauer, der Präsident des Schwimmverbands (OSV). Er ist überzeugt, dass Familie Jukic am Montag ins Flugzeug gen Melbourne steigt, wo am 18. März die Schwimm-WM beginnt. "Sicher nicht", sagt Zeljko Jukic, Trainer des SC Austria Wien, eines der größten und erfolgreichsten Vereine im Land, und Trainervater von Mirna und Dinko. "Wenn mein Trainer nicht fährt, will ich auch nicht zur WM", sagt Mirna (20), zweimalige Europameisterin und WM-Dritte über 200-m-Brust. Und fraglos würde der talentierte Dinko (18) die Schwester und den Vater nicht in Wien zurücklassen.

Hintergrund ist ein jahrelanger Konflikt auf persönlicher Ebene, die Schwimmszene in Wien ist gespalten, man verkehrt über Anwälte miteinander, man prozessiert. Jukic kann nicht mit Bernhard Holzer, dem vor Jahren im Unfrieden vom SC Austria geschiedenen Präsidenten des Wiener Verbands, Holzer kann nicht mit Jukic. "Der Papa regt sich so auf", sagt Mirna, "den zerreißt es bald." Schauer wundert sich, dass Familie Jukic regelmäßig vor Großevents mit Problemen daherkommt. Mirna sagt, regelmäßig vor Großevents ändere der Wiener Verband die Bahneneinteilung im Stadthallenbad. "Die denken, mein Vater ist wochenlang weg, dann ist der neue Plan eingespielt und aus." Zeljko Jukic sagt, seinen dreißig Schwimmern stehen an Nachmittagen nur drei Bahnen zur Verfügung, andere Vereine hätten ebenso viele Bahnen für halb so viele Schwimmer. Mirna: "Fakt ist, wir mussten zuletzt unter unmöglichen Bedingungen trainieren."

Festgefahrene Fronten

1999 ist Mirna Jukic gemeinsam mit ihrem Vater wegen des Kriegs in Kroatien nach Wien übersiedelt, nun sagt sie, im Wiener Schwimmsport herrsche "sozusagen Krieg, seit sechs Jahren".

Schauer sieht seine Hände gebunden, Verwalter des Stadthallenbads ist der Wiener, nicht der österreichische Verband. Er, Schauer, habe versucht zu vermitteln, die Sportamtsleiterin der Stadt Wien, Sandra Hofmann, entwickle gerade ein Konzept, das alle zufrieden stellen soll. Verständlich ist, dass Zeljko Jukic das OSV-Angebot, mit seinen Kindern und dem dritten SC-Austria-Star Maxim Podoprigora in der Südstadt zu trainieren, ausgeschlagen hat. Jukic: "Ich bin nicht nur für meine Kinder, sondern für den ganzen Verein da." Und den vielen Kindern im Klub respektive ihren Eltern sei die Fahrt in die Südstadt nicht zumutbar.

Die nächste Sitzung zur Bahneneinteilung wurde vom Wiener Verband für 15. März angesetzt, das hat Herrn Jukic insofern erzürnt, als er und seine Kinder mit dem WM-Team eben schon am 12. März nach Australien fliegen sollen. Wenn sie denn fliegen. Jukic: "Ich bleibe hier, weil ich zu dieser Sitzung gehen muss. Ich will ruhig arbeiten. Aber es geht so viel Energie völlig unnötig verloren." Mirna: "Man will uns das Training und das Leben zur Hölle machen." Sie habe gut und hart trainiert, sie würde "prinzipiell gerne" bei der WM ihr Können zeigen.

Verbandspräsident Schauer geht von einer "Lösung" aus und glaubt, man werde dann auf ein "Hornberger Schießen" zurückblicken. Zeljko Jukic: "Sicher nicht." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 9. März 2007)

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    Mirna Jukic

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