Ein fettes Förderungsjahr

8. März 2007, 18:59
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Der Wissenschaftsfonds FWF legt seine Jahresbilanz vor und hat große Pläne - Grundlagen-Forschung mit 151 Millionen Euro gefördert - mit Grafik

Wien – Es war ein Rekordjahr für die österreichische Grundlagenforschung. Mit einer Gesamt-Bewilligungssumme von 150,9 Mio. Euro hat der Wissenschaftsfonds FWF im Vorjahr mehr Projekte gefördert als jemals zuvor. Was indes noch lange nicht heißt, dass alles gefördert wird, was die Grundlagenforscher des Landes beantragen.

Trotz der erheblich gestiegenen Ausgaben (im Jahr 2005 hatte der FWF 30 Mio. Euro weniger zur Verfügung) liegt die Bewilligungsrate weiterhin nur bei 40 Prozent. Mit anderen Worten: Von zehn eingereichten Projekten müssen sechs abgelehnt werden. Ermutigend sei immerhin der Trend, sagte FWF-Präsident Christoph Kratky gestern bei seiner Bilanzpressekonferenz. Denn 2004 waren es nur 36 Prozent. Nachdenklich macht allerdings der Vergleich mit der Schweiz, wo der Schweizerische Nationalfonds nur 37 Prozent ablehnen muss.

80 Prozent der Gelder gehen dabei fürs Personal auf, weshalb sich der FWF auch als gigantisches Nachwuchsförderungsprogramm sieht. In der Tat: Mehr als 2000 junge Wissenschafter, vor allem Dissertanten und Post-Docs, sind über den Forschungsfonds angestellt.

Gute Prognosen

Nach dem Jubeljahr 2006 sieht auch die Prognose für 2007 gut aus: Der FWF rechnet für das laufende Jahr mit einer Gesamt-Bewilligungssumme von 170 Mio. Euro, ohne genaue Budgetdetails zu wissen. Ambitioniert sind jedenfalls die Projekte für die nächsten Jahre. Erstens will der FWF eine Abgeltung der so genannten Overhead-Kosten erreichen, die Kratky als "Forschungserfolgsprämie" für die Unis sieht. Am Beginn sollten nach Vorstellung des FWF zu den Projektkosten zusätzliche 20 Prozent direkt an die Uni gehen, langfristig 40 Prozent. Der FWF bräuchte dafür am Beginn rund 30 Mio. Euro pro Jahr.

Zweitens hat der FWF ein Exzellenz-Cluster-Programm ausgearbeitet, mit dem bis zu sechs schon jetzt zur internationalen Spitze zählende Forschungsgruppen gefördert werden sollen – mit fünf bis zehn Mio. Euro für maximal zwölf Jahre. Im Vollausbau wären für dieses Programm 50 Mio. Euro im Jahr notwendig. Drittens schließlich will Kratky das seit 2004 bestehende Programm der Doktoratskollegs, wo Dissertanten "im Kollektiv" ausgebildet werden, weiter ausbauen, da es "unglaublich eingeschlagen" habe.

Dass das keine leeren Worte sind und der FWF ein hervorragend aufgestellter Forschungsförderer ist, wird im übrigen gerade indirekt durch den neuen Europäischen Forschungsrat bestätigt: Dessen als revolutionär gefeiertes Förderungsprogramm für Jungwissenschafter ist praktisch deckungsgleich mit dem START-Programm, das der FWF bereits vor elf Jahren eingerichtet hat. (APA, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 9. März 2006)

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