Zeitungsverleger propagieren Ombudsmann für Selbstregulierung

9. März 2007, 14:28
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Positive Erfahrungen in anderen europäischen Ländern - Medienbranche muss selbst für Ethik sorgen

Nachdem die Etablierung eines neuen Presserats seit Jahren nicht wirklich vom Fleck kommt und sich zäh gestaltet, propagiert der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) nun die Einrichtung von Ombudsleuten zur Selbstregulierung der Medien. Ein Ombudsmann oder eine Ombudsfrau kümmert sich um Beanstandungen von Lesern, Beschwerdemanagement und medienethische Vorgaben würden damit vom jeweiligen Medienverlag selbst übernommen.

In der Schweiz praktiziert

Beispiele aus anderen europäischen Ländern hätten diesbezüglich positive Effekte gezeigt. In der Schweiz wird dieses Modell bereits von der Tamedia AG ("TagesAnzeiger", "SonntagsZeitung", Facts etc.) dem größten regionalen Zeitungsverbund AZ-Medien sowie der Jean Frey AG praktiziert. Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio beschäftigt inzwischen einen Ombudsmann. Die Bilanz der Ombudsleute bezeichnen Schweizer Verlagsleute als positiv. Drohende längere Rechtsstreitigkeiten konnten in etlichen Fällen verhindert werden. Die Zahl der Gegendarstellungsbegehren ist in Summe markant zurückgegangen.

Die größte spanische Tageszeitung "El Pais" hat seit mehr als 20 Jahren die Institution eines "Leseranwalts" ("Defensor del Lector") in ihrem Haus eingerichtet. Dieser ist Anlaufstelle für Beschwerden und Anfragen der Leser und vermittelt als Mediator zwischen Leser und Redaktion. Schwere Fehler beziehungsweise Verfehlungen werden in "El Pais" unter der Rubrik "Einbekenntnis eines Irrtums" veröffentlicht.

Positiv für journalistische Qualität

"Es ist im Interesse der Branche, dass die gesetzliche Regulierungsdichte nicht weiter zunimmt. Die Branche muss aber auch etwas dafür tun", erklärte Daniela Decurtins, stellvertretende Chefredakteurin des "TagesAnzeiger", am Donnerstag dazu anlässlich der VÖZ-Generalversammlung. "TagesAnzeiger"-Ombudsmann Arthur Liener berichtete, dass "allein die Tatsache, dass es eine Ombudsstelle gibt, schon einen positiven Effekt" auf die journalistische Qualität der Verlagshäuser habe. Die Branche müsse jedenfalls selbst für Ethik sorgen.

Als warnendes Beispiel gilt den Medien die Situation in Irland. Mangels eines Presserates und mangels Selbstregulierungsmechanismen in den einzelnen Medienunternehmen hat die irische Regierung die Mediengesetze drastisch verschärft. Darüber hinaus plant die Regierung derzeit einen gesetzlichen Presserat, in dem die Regierung das Nominierungsrecht für die Mehrzahl der Mitglieder des Gremiums stellt. Der Weltzeitungsverband WAN und das International Press Institute haben diese Vorgangsweise bereits kritisiert und vor einer Gefährdung der Pressefreiheit gewarnt.

Seit fünf Jahren kein Presserat mehr

In Österreich gibt es seit rund fünf Jahren keinen Presserat mehr. Die Notwendigkeit einer Medien-Selbstregulierung wurde erst jüngst rund um die Geiselnahme in einer Wiener Bank von verschiedenen Experten betont. Ein Journalist einer Tageszeitung hatte während der laufenden Geiselnahme ein Telefon-Interview mit dem Geiselnehmer geführt. Ein Presserat oder Ombudsleute in den Verlagen selbst, die sich in solchen Fällen mahnend zu Wort melden könnten, würden schmerzlich fehlen, so die Kritik. Der Verein der Chefredakteure bemüht sich seit einigen Jahren um die Wiederbelebung des Presserates. Beim Medienhaus Wien arbeiten derzeit Arbeitsgruppen an neuen möglichen Formen der Selbstregulierung beziehungsweise an einer Leseranwaltschaft.

Der alte Presserat wurde von Zeitungs- und Zeitschriftenverband, Journalistengewerkschaft und Presseclub Concordia gestellt. Einzelne Vertreter der Journalistengewerkschaft sollen sich inzwischen übrigens - zum Entsetzen vieler Vertreter der Medienbranche - für einen politischen Anstoß zur Bildung eines Presserats ausgesprochen haben und deshalb bereits bei Regierungskreisen vorgefühlt haben. (APA)

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