Frauen gestalten Wirtschaft

23. März 2007, 12:43
posten

Zweiter Lehrgang "Geld und Leben. ökonomisch kompetent sozial handeln" der ksoe-Frauenakademie mit spannenden Projekten

Salzburg - "Geld und Leben. ökonomisch kompetent sozial handeln" stand im Mittelpunkt des zweiten Wirtschaftslehrgangs der Frauenakademie der katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) - für die Lehrgangsleiterinnen Margit Appel und Gabriele Lindner "ein lebendiges Zeichen, wie Wirtschaft gleichwertig von Frauen mitgestaltet werden kann".

Unter fachlicher Anleitung zahlreicher Wirtschaftsforscherinnen und Expertinnen haben sich die Teilnehmerinnen des Lehrgangs ökonomisches Wissen durchaus auch selbständig angeeignet und Geschlechterverhältnisse sowohl auf der makroökonomischen Ebene als auch auf der Ebene von Organisationen und Unternehmen analysiert. "Allein durch die Durchführung von Projekten konnten zahlreiche Anstöße zur kritischen Reflexion wirtschaftlicher Praxis und wirtschaftlichen Handelns gegeben und Handlungsspielräume für anderes Wirtschaften aufgezeigt und teilweise sogar erobert werden", so Appel.

Der dritte Lehrgang wird im Juni kommenden Jahres starten und Frauen einen Ort bieten, fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen zu erweitern und einzuüben.

Die Projektarbeiten

  • Die Idee des in einem Projekt erarbeiteten Feministisch-ökonomisch-ökumenisches Kabarett" ist es, komplexe wirtschaftliche Vorgänge in ein Kabarettstück so zu verpacken, dass eigenes und gesellschaftliches Wirtschaftsverhalten sichtbar und hinterfragbar wird und Anstöße zur Veränderung gegeben werden.

  • "Nachklang-Widerhall" nennt sich ein Projekt in Leonding, das der Erinnerung jener Opfergruppen des Nationalsozialismus dient, für deren Gedenken bei herkömmlichen Gedächtnisstätten kein Platz ist. Der Friedhof in Leonding, wo sich das Elterngrab Hitlers befindet, ist Anlaufstelle von Neonazis. Das neue "Gedächtnismal" besteht aus Sitzbank und Klanginstallation. Die Aufbrinung der Finanzmittel für dieses Projekts war zentraler Gegenstand der Arbeit.

  • Der "individuellen Gestaltung von Begräbnisfeierlichkeiten" hat sich ein weiteres Projekt gewidmet. Ausgangspunkt war die Erfahrung in der Hospizarbeit, dass ein großes spirituelles wie psychisches Bedürfnis nach adäquaten Trauerfeierlichkeiten vorhanden ist, auch bei kirchenfernen Personen. Es wurde ein Unternehmenskonzept für eine andere Art der Trauerbegleitung und Begräbnisfeierlichkeiten für den Raum Oberösterreich erarbeitet und ein entsprechendes Gewerbe angemeldet.

  • Frauen, die eigene Hofläden betreiben, besser untereinander in Form eines "Frauen-Stammtisches" zu vernetzen, war das Anliegen einer niederösterreichischen Teilnehmerin, die sich in ihrer Arbeit mit der Gründung eines "Arbeitskreises für Hofladenbetreiberinnen" auseinandergesetzt hat. Die Mehrfachbelastung der Frauen als Bäuerinnen, Versorgerinnen der Hauswirtschaft und Direktvermarkterinnen im Hofladen führt dazu, dass Erfahrungs- und Gedankenaustausch und erst recht kritische Auseinandersetzung mit dem geltenden Wirtschaftssystem häufig zu kurz kommen.

  • Im "Schatz der Ahninnen" geht es um Gespräche mit Frauen, die in einem SeniorInnenheim leben – das Durchschnittsalter lag bei 83 Jahren. Wie ist die (wirtschaftliche) Vergangenheit dieser Pensionistinnen? Wie und wo waren sie wirtschaftlich tätig? Wie und wo waren sie ökonomisch erfolgreich? Wie haben diese Frauen früher Wirtschaft wahrgenommen – als Beobachterinnen, als aktive Mitgestalterinnen? War früher "alles besser"? Was sagen diese Seniorinnen zu feministischen Ansätzen des Wirtschaftens?

  • Das Projekt "Arbeit und Liebe" bestand in der Durchführung von "gender"-Einführungs-Vorlesungen und -übungen an der Universität Wien. Der Fokus lag dabei auf der Auseinandersetzung mit dem geschlechtlich segregierten Arbeitsmarkt sowie auf der Auseinandersetzung mit "gender budgeting". Methodisch wurde dabei mit "quasi-biographischen" Berichten von Studentinnen sowie mit Material aus Printmedien gearbeitet.

  • In der Gemeinde Schladming ist das Projekt "Sensibilisierungsphase für Gender budgeting am Beispiel des Kindergartens" angesiedelt. Ziel ist es, unter Einbeziehung von PolitikerInnen und weiteren Anspruchsgruppen in der Gemeinde den Ansatz eines geschlechtergerechten Budgets bekannt zu machen und in einer Pilotphase auszuprobieren.

  • Ein Informationsfolder für Frauen mit dem Titel "Denn sie wissen was sie tun" wurde im Rahmen jenes Projekts entwickelt, das im Rahmen der Frauenberatung angesiedelt ist. Frauen sind häufig äußerst schlecht über die ökonomischen und die juristischen Konsequenzen einer Eheschließung oder der Entscheidung für eine Lebensgemeinschaft informiert. Offizielle Hochglanzbroschüren geben darüber (bewusst) wenig Auskunft.

  • Was sind Bilder und Realitäten von Mädchen/Frauen heute? Was sind ihre Wünsche, aber auch Alpträume? In diesem Schulprojekt-Projekt für SchülerInnen ab 16 ging es darum, Themen, die SchülerInnen in Bezug auf Frauen/Männerrollen betreffen, aufzugreifen, das Bewusstsein der SchülerInnen für ihre Gestaltungsspielräume zu wecken und ihre Argumentationsfähigkeit zu bestärken. Vor allem der letzte Punkt wurde in einer Begegnung der SchülerInnen mit der damaligen Frauenministerin Rauch-Kallat gleich praktisch trainiert.

  • "Was verändert ein Grundeinkommen?" war die Fragestellung eines Projektes, das die Erstellung eines Tagungskonzepts und dessen Durchführung in Salzburg zum Inhalt hatte. Der innovative Zugang lag in der Durchführung eines Planspiels im Rahmen dieser Tagung. Dabei wurde von der Annahme ausgegangen, seit zwei Jahren sei in Salzburg ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt. In ausführlichen Diskussionsrunden verschiedener Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, MigrantInnen, Wirtschaftstreibende, InteressensvertreterInnen, Ehrenamtliche,…..) wurden die Vor- und Nachteile dieser Maßnahme herausgearbeitet.

  • Kontext für das Projekt "Gutes Leben – Stachel in der Ökonomie" war eine Projektreise auf die Philippinen. Aus Gesprächen während der Vorbereitungsphase der österreichischen Teilnehmerinnen über "Gutes Leben" und aus Gesprächen mit einigen philippinischen Frauen vor Ort über ihre Ansichten dazu entstand eine eindrucksvolle DVD.

    (red)

  • Link
    ksoe
    • Artikelbild
      foto: ksoe/karoline bloderer
    • Artikelbild
      foto: ksoe/karoline bloderer
    Share if you care.