Schweizer Bundespräsidentin fordert mehr Männerarbeit in Familien

12. März 2007, 13:32
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Micheline Calmy-Rey sieht Gleichberechtigung noch weit entfernt: "Unleistbar, weibliches Talent brachliegen zu lassen"

Bern - Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat am Internationalen Tag der Frauen die Partner von berufstätigen Frauen aufgefordert, einen fairen Beitrag zur Familienarbeit zu leisten. Es gebe noch viel zu tun, sagte sie in ihrer Radio- und TV-Ansprache. Die Schweizer Verfassung sichere Frauen und Männern gleiche Rechte zu. Das geschriebene Recht sei jedoch noch nicht verwirklicht, sagte Calmy-Rey. Die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau in gleichartigen Tätigkeiten liege bei zwölf Prozent.

Nur eines von drei an der Börse kotierten Unternehmen habe eine Frau im Verwaltungsrat, und nur gerade elf Prozent der Hochschulprofessuren seien von Frauen besetzt. An solchen Zahlen lasse sich messen, wie weit die Gesellschaft von der Gleichstellung entfernt sei. Nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum seien nur möglich, wenn alle Menschen einer Gesellschaft daran teilhaben könnten und keine Gruppe davon abgehalten werde, ihre Kraft und Kreativität einzubringen.

"Wir dürfen uns nicht leisten, weibliches Talent brachliegen zu lassen", sagte Calmy-Rey. Deshalb müsse aus dem Weg geräumt werden, was Frauen daran hindere, im Erwerbsleben oder in der Politik auf allen Stufen gleichberechtigt mitzuwirken.

Fairer Beitrag

Frauen hätten große Schwierigkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren, stellte die Sozialdemokratin fest. Mehr Frauenarbeit im Erwerbsleben sei nur möglich, wenn es ausreichende, bezahlbare Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gebe. Und sie sei nur möglich mit mehr Männerarbeit im Familienleben. Sie rufe deshalb am Tag der Frau alle Partner von berufstätigen Frauen auf, einen fairen Beitrag zur Familienarbeit zu leisten, sagte Calmy-Rey. "Falls Sie denken, dies sei bereits der Fall: Diskutieren Sie diese Frage mit Ihrer Partnerin. Vielleicht sieht sie es ein bisschen anders."

Armut und Gewalt

Die Schweizer Außenministerin erinnerte in ihrer Rede auch daran, dass 70 Prozent der Menschen, die weltweit in Armut leben, Frauen sind. Der Kampf gegen die Armut sei vor allem ein Kampf für die Stärkung der Menschenrechte der Frauen. Frauen seien überproportional von Gewalt, Krieg und Verfolgung betroffen. (APA/sda)

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    Micheline Calmy-Rey sprach sich für die Beseitigung aller Gegebenheiten aus, die Frauen daran hindern, im Erwerbsleben oder in der Politik auf allen Stufen gleichberechtigt mitzuwirken.
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