Mit "Paleo-Diät" stark wie ein Neandertaler

9. März 2007, 08:57
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Wissenschafter raten zur "Diät der Ahnen" - Gegessen wird nur das, was man findet, wenn man mit einem Speer durch den Wald streift

Wien (APA) - Bei der Suche nach der idealen Diät für den Menschen verfolgt eine Gruppe von Wissenschaftern und Autoren eine eher steinzeitliche Strategie. Anstatt sich über Fettanteil, GLYX-Quotienten oder Kalorien Gedanken zu machen, sollte man besser auf jene Nahrungsmittel zurückgreifen, die dem Menschen rund 2,5 Millionen Jahre lang als Grundlage seiner Ernährung diente, bevor er vor 10.000 Jahren sesshaft und übergewichtig wurde.

Brot ist tabu

Auf den Punkt gebracht: Gegessen wird bei der "Paleolithic Diet" nur das, was einem zur Verfügung stehen würde, wenn man mit einem Speer nackt durch den Wald streift - also vor allem Gemüse, Obst, Nüsse, Fleisch und Fisch. Brot hingegen ist tabu.

Diät eines Computerverkäufers

Einer der Wegbereiter des Trends ist kein Arzt, sondern ein - ehemaliger - Patient. Obwohl er nicht übergewichtig war, wurde bei dem Computerverkäufer Ray Audette mit 33 Jahren Diabetes diagnostiziert. Anstatt sich seinem Schicksal zu beugen und sich auf ein Leben mit Insulin-Injektionen einzustellen, begann Audette auf eigene Faust zu recherchieren.

Ernährungsvorbild "Jäger und Sammler"

"Ich fand heraus, dass es, bevor wir vor 10.000 Jahren damit begonnen haben, Ackerbau zu betreiben, keine Diabetes gegeben hat", so der Autor. Die Menschen der "Jäger und Sammler"-Zeit wären überhaupt generell fitter und gesünder gewesen als ihre sesshaften Erben. Auch viele der so genannten Zivilisationskrankheiten waren unbekannt.

Umstellung - Keine Milch und viel Fleisch

Zum Schrecken von Ärzten, Vertretern des Low-Fat-Trends und Vegetariern begann Audette damit, seine Ernährung komplett umzustellen. Anstatt Brot, Erdäpfel (die roh nicht genießbar sind) und Reis standen auf dem Speiseplan des damaligen Computerverkäufers Fleisch in allen Variationen - samt Eiern mit Schinken zum Frühstück - Gemüse, Obst, Nüsse und Fisch. Auch auf Milchprodukte verzichtete Audette völlig. Sein Argument: Man würde sich in freier Wildbahn niemals unter eine Kuh legen und an ihrem Euter saugen.

Erstaunlicher Effekt

Der Effekt seines Jäger und Sammler-Lebensstils war erstaunlich. Nach nur drei Monaten war die Zuckerkrankheit völlig geheilt, auch eine Artrithis, die ihn jahrelang geplagt hatte, verschwand. Inzwischen stehen dem einsamen Neandertaler, der seine Erkenntnisse in dem Buch "Neanderthin - Eat Like a Caveman to Achieve a Lean, Strong, Healthy Body " dargelegt hat, auch Wissenschafter zur Seite.

Keine Herz-Kreislauferkrankungen

"Historische und anthrolopogische Studien zeigen, dass die Jäger und Sammler generell fit und gesund waren sowie weitgehend keinerlei Herz-Kreislauferkrankungen aufwiesen. Auf sozialer Ebene sind wir vielleicht Menschen des 21. Jahrhunderts, aber genetisch leben wir immer noch in der Altsteinzeit", so James H. O' Keefe und Loren Cordain von der renommierten Mayo-Klinik in den USA in ihrer Untersuchung "Cardiovascular Disease Resulting From a Diet and Lifestyle Odds With Our Paleolithic Genome: How to Become a 21st-Century Hunter-Gatherer".

Wissenschaft relativiert falsches Ernährungsbild

Die Annahme, dass unsere Ahnen unternährt waren, ist den Wissenschaftern zufolge völlig falsch. Ihre Ernährungsweise enthielt zwei bis drei Mal so viele Ballaststoffe wie die heutige, 1,5 bis zwei Mal so viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vier Mal mehr Omega-Fettsäuren, zwei bis drei Mal so viel Protein und drei bis vier Mal so viel Kalium.

Experten raten zur Nachahmung

Auch die Wissenschafter raten, die Diät unserer Ahnen nachzuahmen. Dabei sollten gesättigte Fette durch mehrfach ungesättigte ersetzt und besonders mehr Omega-3-Fettsäure konsumiert werden. Weiters sollte die Einnahme von frischen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen auf bis zu acht Portionen am Tag drastisch erhöht werden. Außerdem stehen am Speiseplan Fleisch und Fisch. Zucker und verarbeitete Getreideprodukte sollte man hingegen weitgehend meiden.

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