Machtkampf vor dem Zebrastreifen

29. März 2007, 10:52
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Österreichs Autofahrer sind deutlich unfähiger als ihre deutschen und Schweizer Kollegen - zumindest vor ungeregelten Schutzwegen

Wien - Österreichs Autofahrer sind deutlich unfähiger als ihre deutschen und Schweizer Kollegen - zumindest vor ungeregelten Schutzwegen. Zu diesem Schluss kommt zumindest das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) anhand der Statistik. Denn seit im Jahr 1995 die Anhalteregeln vor Zebrastreifen denen der Nachbarländer angepasst worden sind, kletterte die Zahl der Unfälle bei den Übergängen ohne Ampeln innerhalb von zehn Jahren um 44 Prozent auf 721 Vorfälle, während das Niveau bei geregelten Schutzwegen fast gleich geblieben ist.

Autofahrer müssen einem Passanten

Für Othmar Thann vom KfV spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einerseits die unklare Gesetzesformulierung selbst: Autofahrer müssen einem Passanten nämlich das "ungehinderte und ungefährdete Überqueren der Fahrbahn" ermöglichen, wenn der den Schutzweg "erkennbar benützen will". Die Frage, wann erkennbar erkennbar ist, stellt selbst die Polizei oft vor Probleme.

Machtkämpfe

Das zweite Problem wiegt für Thann schwerer: Sowohl Lenker als auch Passanten kennen zwar den Sinn des Gesetzes und wollen (naturgemäß) Unfälle vermeiden - alleine, Zeitdruck und aggressive Machtkämpfe beider Seiten führen zu Fehlern, zeigt eine Reihe im KfV-Auftrag geführter qualitativer Interviews mit beiden Gruppen.

Fußgänger

Gezeigt hat sich dabei auch, das die Kommunikation unverständlich bis, aufgrund räumlicher Hindernisse, kaum vorhanden ist. Für viele Fußgänger ist die Lichthupe beispielsweise ein eindeutiges Signal, die Straße zu überqueren, Autofahrer setzen sie aber auch als Warnung ein. Will eine ganze Gruppe die Seite wechseln, steigen Fußgänger schneller auf die Straße, gleichzeitig versuchen die Lenker aus Angst vor Zeitverlust noch rasch den Zebrastreifen hinter sich zu lassen.

In Deutschland und der Schweiz, wo die Regelung schon Jahrzehnte in Kraft ist, sei die Anhaltedisziplin größer, behauptete Thann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. In Österreich wünscht er sich eine Gesetzesänderung. Vorstellbar: eine Vorschrift, die Fußgänger zu einem Handzeichen vor dem Queren verpflichtet. (moea, DER STANDARD Printausgabe 8.3.2007)

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    Fehlt die Ampel vor dem Schutzweg, wird die Passage für den Fußgänger gefährlich. Zumindest seit 1995 die Straßenverkehrsordnung geändert worden ist, behauptet das Kuratorium für Verkehrssicherheit

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