
Nach 25 Jahren in Österreich darf Latigo heuer erstmals die Staatsbürgerschaft beantragen. "Ich warte darauf, dass ich sie nach Anna Netrebko für besondere Verdienste verliehen bekomme." Und das meint sie ernst
Schon als Kind machte sich die 1967 in Bratislava geborene Wienerin einen Namen als Rebellin: Als Tochter einer Slowakin und eines Uganders, der zum Studium in den Ostblock gekommen war, verbrachte sie die ersten Lebensjahre bei ihrer Großmutter mütterlicherseits, einer ehemaligen Widerstandskämpferin mit deutschen Wurzeln. "Mit zwei Jahren war ich Mitglied im kommunistischen Pensionistenklub, mit drei Jahren wusste ich, wer Angela Davis war," erzählt Latigo nicht ohne Stolz.
"Anstiftung zum Kommunismus"
Als sie vierzehn war, nahm der Vater einen Job in Wien an, wo sich Latigo "irrsinnig schnell integriert" hat. Angeeckt ist sie trotzdem: Während einer Schulmesse sprach sie sich für Abtreibung aus, mit 16 wurde sie "wegen Anstiftung zum Kommunismus" aus der Schule geworfen und wechselte auf eine Privatschule. Den Rest der 80er tingelte Latigo durch alle Szenen von Punk bis Yuppie, modelte, gründete eine der ersten Wiener Second-Hand-Boutiquen, nahm Songs auf und begann ihre Laufbahn als freischaffende Künstlerin.
Dem High folgte eine herber Absturz: Ihr Visum wurde aufgrund des neuen Aufenthaltsgesetzes von 1992 nicht mehr verlängert, und Latigo fand sich als "Illegale" wieder, die nicht arbeiten durfte und von Schubhaft bedroht war. "Es war ein Schock, der mein Leben radikal verändert hat." Zu diesem Zeitpunkt begann auch ihr politisches und menschenrechtliches Engagement, bei einem afrikanischen Verein in Linz. "Ich habe mit Schubhäftlingen gearbeitet, obwohl ich selbst illegalisiert war." Für eine Geschichte über diese Zeit gewann sie den Literaturpreis "Schreiben zwischen den Kulturen", später folgte je ein Interkultureller Preis für ein Theaterstück und einen Afrika-Begegnungstag.
Nach einem siebenjährigen Kampf mit den Behörden bekam sie 1999 "meine Freiheit" wieder, in Form eines Visums. Seither ist Latigo unentwegt als "One Woman Opposition" aktiv, gibt antirassistische Workshops und setzt sich abseits institutioneller Strukturen gegen den "multiplen Missbrauch von Migrantinnen" ein. Woher nimmt sie all die Energie? "Ich schreibe, male und singe mir alles aus der Seele." (Karin Krichmayr, DER STANDARD print, 8.3.2007)
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"...Latigo fand sich als "Illegale" wieder, die nicht arbeiten durfte und von Schubhaft bedroht war..."
"Ich warte darauf, dass ich sie nach Anna Netrebko für besondere Verdienste verliehen bekomme."
Es gibt auch Frauen, die sich nicht illegal in Österreich aufhalten und für die Rechte der Frauen stark machen! Was kriegen die? Was kriegen diejenigen, ihre Steuren bezahlen und als Frau ohnedies unterbezahlt sind?
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Afro-Europäischer Roundtable
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...stimmt sie nicht. Als Slowakin hatte Grace Latigo natürlich schon bald ein Aufenthaltsrecht in Österreich - Slowakei ist EU-Land. Und zuvor war sie als Studentin da und vergaß ihr Visum zu verlängern. Sie war nie von Schubhaft bedroht. Aber vielleicht braucht es Mythen, um sich selbst zum Opfer zu machen. Dabei brauchen Wiens Afrikaner alles andere, als ständige Opfer-Role-Models, die sich in ihrer armen "ich bin sooooo illegallisiert" Rolle gefallen - und damit wirklich verfolgte verhöhnen.
Interessant, dass die Standard-Autorin auch keine anderen Quellen zu Latigo befragte. Dann wüsste sie, wie Latigo Attacken auf Politiker verharmloste und wie sie Menschen mit Ungeziefer verglich, die man ausrotten sollte.
selbst wenn alles andere stimmen sollte und selbst falls - ich betone, FALLS - die slowakei 1992 schon in der eu gewesen sein sollte (es gibt natürlich auch leute, die behaupten, 1992 hätte es die slowakei als eigenständigen staat noch gar nicht gegeben), hätte das doch noch den schönheitsfehler, dass österreich erst 1995 eu-mitglied wurde.
schön ist da allenfalls, dass beim anonymen posten unwissenheit doch meist vor strafe schützt.
ich kenn sie seit langem, und kann nur sagen: die latigos sind eine der coolsten families die es in wien gibt. nicht zu vergessen sind ihre brüder robo (big up man) und louis. diese frau ist eine ikone der integration, schon allein wenn man ihre geschichte betrachtet. absoluter respekt für dein werk grace.
Ja genau, ein Portrait über eine Frau, die gegen die Illegalität kämpft, ist eine "Werbung für Illegale". Genauso, wie WWF Werbung für Robbenschlachtungen, Das Kyoto-Abkommen Werbung für Umweltverschmutzung und Du Werbung für Menschenverstand machen.
*Augenroll ob der Unfähigkeit mancher Mitmenschen, bei Reizthemen rudimentäre Logik beizubehalten*
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