Privates Kapital für öffentliche Spitäler

15. März 2007, 11:22
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Derzeit dient die Kapitalmarktfinanzierung von Krankenhäusern bloß der Geldbeschaffung

Laut IHS könnte damit auch die Effizienz gesteigert werden kann. Doch die Politik will keinen Wettbewerb, zeigte eine Diskussion.

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Wien - Fremdfinanzierung von Krankenhäusern hieß das Thema, zu dem die Kommunalkredit, selbst der größte private Finanzierer im heimischen Gesundheitswesen, Politiker und Experten am Mittwochabend gerufen hat. Doch die Diskussion auf dem Podium steuerte rasch auf die heißen Themen der Gesundheitspolitik zu: Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern und die Privatisierung von Krankenhäusern.

Derzeit dient in Österreich die Fremdfinanzierung bloß zur Beschaffung zusätzlicher Mittel, betonte IHS-Chef Bernhard Felderer bei der Präsentation einer Studie über Fremdfinanzierung in verschiedenen europäischen Ländern. Der wirkliche Zweck aber wäre, durch privates Kapital die Effizienz zu heben und Wettbewerb zwischen Krankenhäusern zu schaffen. Dafür müsste aber dafür gesorgt werden, dass in allen Bundesländern die Fallpauschalen alle Kosten decken - in Wien etwa werden noch rund zwei Drittel als Defizitabdeckung bezahlt. Die unterschiedlichen Modalitäten der Bundesländer müssten endlich vereinheitlicht werden.

Jan Pazourek von der Wiener Gebietskrankenkasse forderte ebenfalls eine "Spitalfinanzierung aus einer Hand" und eine Klärung des gesetzlichen Versorgungsauftrags.

Darunter leiden auch die Bundesländer, betonten die Finanzlandesräte von Niederösterreich und dem Burgenland, Wolfgang Sobotka und Helmut Bieler. Laut Gesetz müsse eine Geburtenabteilung in 30 Minuten erreichbar sein. "Wie soll ich dann Spitäler im Waldviertel schließen?", fragte Sobotka. Wie er lehnt auch Bieler Wettbewerb der Krankenhäuser ab, stattdessen sei Qualitätskontrolle gefragt.

Ein Plädoyer für private Anstalten kam vom Gesundheitsökonomen Christian Köck, dessen Health Care Company das Klinikum in Bad Gleichenberg übernommen hat. Als Bieler ihn fragte, ob er auch das kleine Krankenhaus im strukturschwachen Güssing profitabel führen könnte, antwortete Köck mit einem klaren "Ja".

Kommunalkredit-Chef Reinhard Platzer warnte vor einer "Schwarz-Weiß-Sicht". Angesichts des riesigen Finanzbedarfs der Zukunft müsse man jede Geldquelle im Gesundheitswesen nutzen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2007)

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