Porträt: Birgit Sükar

14. Juni 2007, 13:01
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Birgit Sükar ist vom Bank- in den Brotberuf gewechselt. Die Steirerin rührt beim Bäckereifilialisten Hubert Auer kräftig um

"Ich will etwas aufbauen. Ich will dabei die volle Eigenverantwortung und volles Risiko tragen. Die vergangenen zwei Jahre waren aber rückblickend die härtesten meines Lebens." Birgit Sükar hat den Finanz- gegen den Brotberuf getauscht.

Die gelernte Bankerin hat 2005 den Bäckereifilialisten Hubert Auer mit Investoren übernommen und dort kräftig umgerührt. Sükar erhöhte die Filialzahl um sechs auf 24, richtete das Sortiment neu aus und führte PC, Internet und Bäckersoftware in einen Traditionsbetrieb ein, der über Jahrzehnte auf EDV verzichtet hatte. Es sei nicht leicht gewesen, die Skepsis der Mitarbeiter zu überwinden, sagt sie und lacht. Im Gegenzug kniete sie sich von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends ins neue Metier und hörte auf die Erfahrung ihrer Leute. "Sonst hätte ich das nicht geschafft."

Alles hinterfragen

Sükar hat auch das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt. Die Betriebswirtin baute bei der Deutschen Bank in Wien das Akkreditivgeschäft und Cashmanagement für Österreich und Osteuropa auf. Bei Wienerberger übernahm sie das Controlling der Ziegelwerke. Nachteile habe sie in männerdominierten Branchen nie gehabt, sagt sie. "Ich habe gelernt, alles bis ins letzte Detail zu hinterfragen. Ich will wissen, worum es geht."

Sie sei ehrgeizig, sagt Sükar. Im Schatten ihres Mannes sei sie nie gestanden. Harald Sükar war Geschäftsführer von McDonald's Österreich und ein Jahr lang GAK-Präsident. Beide lockte bereits einmal die Selbstständigkeit. Die Beteiligung bei Kurt Mann ging jedoch nicht auf, der Wiener Großbäcker bäckt lieber selbst.

Viel Biss

Seit Mai teilt sich das Paar in Graz die Arbeit. "Ich habe noch keinen erlebt, der soviel Biss hat. Ich hätte da manchmal längst das Handtuch geworfen", sagt er über sie.

Hubert Auer eröffnet heuer zwei Filialen in Bruck und Leoben. Slowenien und Kroatien werden sondiert. 160 Mitarbeiter, 40 mehr als 2005, setzen fünf Mio. Euro um. Lieferungen an Spar hat Birgit Sükar eingestellt. "Wir konzentrieren uns auf eigene Standorte." Der Umsatz mit Lebensmittelketten werde teuer erkauft. Hubert Auer will dafür ins Biogeschäft einsteigen und sucht einen Produktionspartner.

Dass Unternehmertum und Familienleben nicht unbedingt Hand in Hand gehen, gibt Sükar zu. "Es lässt sich mit Kindern nicht vereinbaren. Das war uns von vornherein klar." Ihr Haus in Wien haben die Sükars verkauft - mit ein wenig Wehmut. "Wir vermissen Wien." (Verena Kainrath, DER STANDARD print, 8.3.2007)

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