Iran kündigt Ausweitung seines umstrittenen Atomprogramms an

10. März 2007, 19:16
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Diplomaten: Diese Woche vermutlich kein Iran-Resolutionsentwurf

Teheran/Wien - Im Atomstreit hat der Iran eine Ausweitung seines Nuklearprogramms angekündigt. Chefunterhändler Ali Larijani erklärte am Mittwoch nach Angaben des Staatsfernsehens in Teheran, in der Atomanlage von Natanz im Zentraliran würden "bald" 164 weitere Gaszentrifugen in Betrieb genommen. Der Chef der iranischen Atombehörde und Vizepräsident, Gholamresa Aghasadeh, erklärt zudem, sein Land baue jetzt selbst ein Atomkraftwerk. Unterdessen kritisierte die EU das Verhalten des Irans im Atomstreit als "inakzeptabel".

Larijani betonte nochmals, der Iran bevorzuge eine Lösung des Atomstreits auf dem Verhandlungsweg. Wenn die andere Seite aber die Sanktionen verschärfen wolle, werde der Iran scharf reagieren. Im Weltsicherheitsrat bemühen sich derzeit vor allem die USA um eine Verschärfung von Sanktionen gegen den Iran. Dieser ist bisher der Forderung des wichtigsten UN-Gremiums nach Einstellung seiner Urananreicherung nicht nachgekommen. Der Sicherheitsrat befürchtet, der Iran wolle Atombomben bauen, was Teheran bestreitet.

Der Entwurf für die geplante UN-Entschließung zum Iran wird nach Angaben von Diplomaten diese Woche wahrscheinlich noch nicht fertig. "Ich glaube nicht, dass wir diese Woche einen Entwurf haben werden", sagte ein Diplomat aus der Sechserrunde, die über die Resolution berät, am Dienstagabend (Ortszeit) am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad wies seine innenpolitischen Gegner zurecht, sie sollten sich lieber gegen die Feinde des Iran wenden, als Nachgiebigkeit zu demonstrieren.

Vor dem Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) verurteilte der deutsche UN-Gesandte Peter Gottwald in Wien die Verweigerungshaltung ungewöhnlich scharf und drohte Teheran mit weiteren Maßnahmen der UN. Die Ankündigung Teherans, weitere Gaszentrifugen zur Urananreicherung im Forschungszentrum Natanz in Betrieb zu nehmen, sei "inakzeptabel und eine weitere Verletzung der UN-Resolutionen 1696 und 1737". In der Erklärung der EU, die unter anderem von den Balkanstaaten, der Türkei und der Ukraine unterstützt wurde, zeigte sich Brüssel vor allem besorgt darüber, dass Teheran insgesamt 48 Inspekteuren der IAEO die Einreise verweigere.

In Teheran kündigte Chefunterhändler Larijani an, in die neuen 164 Zentrifugen werde demnächst das zur Anreicherung nötige Gas Uranhexaflorid (UF6) eingeleitet. Damit dürfte der Iran noch weit davon entfernt sein, bis zum 20. März etwa 3000 Gaszentrifugen in Natanz aufzustellen und mit der industriellen Produktion von angereichertem Uran zu beginnen, wie es Präsident Mahmud Ahmadinedschad mehrfach angekündigt hatte. Nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergieorganisation sind in Natanz bisher 328 Zentrifugen installiert.

Vizepräsident Aghasadeh wurde am Mittwoch von der Nachrichtenagentur ISNA zitiert, auf Anordnung von Präsident Ahmadinejad sei mit dem der Bau eines Atomreaktors mit einer Kapazität von 360 Megawatt begonnen worden. Über den Standort wurde zunächst nichts mitgeteilt. Bisher wurde nur in Bushehr im Süden des Landes mit russischer Unterstützung an einem Atomkraftwerk gebaut. (APA/dpa)

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