Türkei weist Vergiftungsvorwürfe gegen Öcalan zurück

15. März 2007, 14:28
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Justizminister ordnet Ermittlungen an - Zwei Verurteilungen wegen Anrede "Herr Öcalan"

Ankara - Die türkische Regierung hat Vergiftungsvorwürfe gegen den inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan als völlig erlogen zurückgewiesen, gleichwohl aber Ermittlungen angeordnet. Justizminister Cemil Cicek sagte am Mittwoch in der Zeitung "Zaman" zu den von Öcalans Anwälten in Italien erhobenen Vorwürfen, wenn die Türkei ein solcher Staat wäre, "wäre eine solche Sache schon vor langer Zeit geschehen".

Die Anwälte hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, Haarproben Öcalans hätten eine hohe Belastung mit Strontium und Chrom ergeben. Wie diese Haarproben aus der streng bewachten Gefängnisinsel Imrali hinausgelangten, sagten sie nicht. Öcalan führte von 1984 bis zu seiner Verhaftung 1999 einen kurdischen Guerillakrieg, bei dem rund 37.000 Menschen getötet wurden. Er wurde zum Tode verurteilt, verbüßt seit Abschaffung der Todesstrafe 2002 aber eine lebenslange Haftstrafe.

Cicek teilte mit, es seien vier Ärzte nach Imrali im Marmarameer entsandt worden, wo Öcalan als einziger Gefangener einsitzt. Ein früherer Kommandant der Gefängnisinsel, der pensionierte General Hursit Tolon, sagte der Zeitung "Sabah", die Sicherheitsvorkehrungen auf Imrali machten eine Vergiftung unmöglich. Kein Material könne ohne Erlaubnis auf die Insel gebracht werden oder es verlassen. "Nicht einmal ein Haar könnte da raus", wurde er zitiert. Jeglicher physischer Kontakt mit Öcalan sei verboten: Niemand dürfe dem Gefangenen die Hand schütteln, seine Anwälte müssten unter den Augen von Aufsehern bei Besuchen an einem großen Tisch weit entfernt Platz nehmen. Sein Essen werde getestet, alle seine Utensilien nur einmal verwendet und die Soldaten bekämen dasselbe Essen wie der Gefangene.

Kurdische Politiker haben sich in den vergangenen Wochen über einen verstärkten Druck der türkischen Behörden beschwert. Der Führer der kurdischen Demokratischen Gesellschaftspartei, Ahmet Türk, und der kurdische Abgeordnete Sedat Yurttas, wurden zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie Öcalan als "Sayin" - eine Bezeichnung etwa wie "geschätzer Herr" im Deutschen - bezeichnet hatten. Ein Gericht entschied, das Laufe auf eine Verherrlichung eines Kriminellen und von Verbrechen hinaus. (APA/AP)

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