Neues zum TEFAF-Jubiläum

7. März 2007, 18:41
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Die Maastrichter Messe für Kunst- und Antiquitäten wird 20 Jahre alt

Maastricht - Das ist einer der Unterschiede zwischen internationalen Megaevents und den heimischen Messeveranstaltungen. Dort Besucherrekorde, hier Stagnation. In New York (Armory Show), Madrid (Arco) oder Maastricht (TEFAF) wird man der Besuchermassen kaum noch Herr. Unddie Massen schrecken ernsthafte Käufer ab.

Aus Sicht des Veranstalters kratzt der vergangenes Jahr mit gezählten 84.000 Besuchern aufgestellte Rekord an der Reputation der Königin aller Kunst- und Antiquitätenmessen. Exklusivität bedarf also der Reduktion, und so wurde der Preis für die Tageskarte auf nunmehr 55 Euro erhöht. Ob's wirkt, steht in den Sternen - es könnte im Zeitalter des Label-Hypes ja auch Gegenteiliges bewirken. Was Mitte der 70er-Jahre als so genannte "Pictura" mit 28 Ausstellern begann, zehn Jahre später um den Parallel-Event "Antiqua" erweitert und fortan als The European Fine Art Fair (TEFAF) firmierte, blickt auf eine unvergleichbare Erfolgsgeschichte zurück. Eine im Auftrag der TEFAF durchgeführte Studie beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Events, aus der Sicht der Händler wie für die Region. Die Mehrheit der Teilnehmer erwirtschaftet bei der TEFAF ein Viertel ihres Jahresumsatzes, manche sogar 60 Prozent.

Gleichzeitig naschen andere Branchen von diesem Kuchen. 2006 verprassten die Teilnehmer - exklusive der Standmiete oder Eigenpersonal - nicht weniger als 11,76 Millionen Euro: für Versicherungen (1,21 Mio), Broschüren und andere Werbemittel (1,87 Mio), Kunsttransporte (2,67 Mio), Aufbau und Standarchitektur (2,82 Mio) oder Reisespesen (2,82 Mio).

Vom 9. bis 18. März offerieren nun 220 Teilnehmer - aus Österreich die Galerie St. Lucas (Wien) sowie Salis & Vertes (Salzburg / St. Moritz) - Feinstes. Erstmals vertreten: Sotheby's, die im Juni 2006 mit Noortman Master Paintings fusionierten, sowie Christie's die über die eigens gegründete Plattform King Street Fine Art Ltd. hier das Segment von Private Sales forcieren wollen. Die Sektion Zeitgenossen wurde erweitert, etwa um den renommierten Erstteilnehmer Hauser & Wirth (Zürich / London), sowie auch der Bereich Asiatika.

John Eskenazi (London), Spezialist für Kunstwerke aus Indien, Gandhare, dem Himalayagebiet sowie für südostasiatische Kunst, kehrt nach zehnjähriger Pause auf diesen Marktplatz zurück. Und aus dieser Sektion kommt auch eines der teuersten Exponate der Messe: ein 9,23 Millionen Euro teurer bronzener Unpaarhufer, konkret ein 2500 Jahre alter Tapir chinesischer Provenienz. Die aus einer Schweizer Privatsammlung stammende Tierfigur mit Einlagen in Gold und Türkis steht im Mittelpunkt der Präsentation von Littleton & Hennessy (London / New York). (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2007)

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