Descartes-Preis: Österreich gewinnt mit

7. März 2007, 19:01
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Einer der drei Preise ging an ein internationales Projekt zum Thema Zelltod

Brüssel/Wien - "Einer wird gewinnen" (EWG), das war vor vielen Jahren das Motto einer beliebten Fernsehshow mit Hans-Joachim Kulenkampff. Damals gab es auch noch keine EU, sondern bloß die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Und Wissenschaft war längst noch nicht so wichtig wie heute.

Um die Bedeutung der Forschung für die Zukunft Europas zu unterstreichen, vergibt die EU seit dem Jahr 2000 Preise, die nach dem großen französischen Philosophen und Aufklärer René Descartes benannt sind. Ausgezeichnet werden damit Forschungsprojekte, in denen Wissenschafter aus verschiedenen Ländern zu einem bestimmten Thema kooperieren - was auch den Vorteil hat, dass es immer viele Gewinner gibt.

Heuer hat die Jury 13 Projekte nominiert und gestern an insgesamt drei den Descartes-Preis vergeben. An einem davon - dem Projekt "Apotosis" - waren auch Molekularbiologen rund um Josef Penninger vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien beteiligt.

Der Name des Projekts ist der wissenschaftliche Begriff für den programmierten Zelltod, einen der elementarsten Prozesse der Biologie: Im Körper eines Menschen begehen in jeder Sekunde mehrere Millionen alte oder mutierte Zellen "Selbstmord" und tragen so zum Überleben des Organismus bei.

Das internationale "Apoptosis"-Konsortium, an dem auch noch Forscher aus Frankreich, Dänemark, Deutschland, Italien und Schweden mitarbeiteten, konnte in den vergangenen Jahren wesentliche Mechanismen aufklären, die dem programmierten Zelltod zugrunde liegen. So entdeckten die Wissenschafter, dass es beim Absterben der Zellen einen "point of no return" gibt - eine wichtige Erkenntnis, die helfen kann, Medikamente gegen massenhaftes Zellsterben (etwa nach Schlaganfällen) zu entwickeln. Bei Aids-Infektionen wiederum geht es darum, die durch das HI-Virus verursachte Apoptose im lymphatischen System und im Gehirn zu verhindern.

Diese Erkenntnisse wurden nicht nur von der EU honoriert (mit 40.000 Euro pro beteiligtem Team), sondern auch von der Scientific Community: Die Publikationen des Apoptosis-Projekts wurden bis jetzt über 50.000 Mal in anderen Veröffentlichungen zitiert. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2007)

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IMBA
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