Im Portrait: Katrin Hager und Stephanie Schill

15. März 2007, 10:40
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Dass Frau und Technik kein Gegensatzpaar sind, stellen zwei Informatik- Absolventinnen unter Beweis

Lady Ada Lovelace hätte vermutlich ihre Freude an Katrin Hager und Stephanie Schill gehabt. Denn die beiden jungen Frauen haben jenes Studium für sich gewählt, für das sich die britische Mathematikerin und Tochter des Dichters Lord Byron zeitlebens (1815-1852) interessierte: die Wissenschaft der maschinellen Informationsverarbeitung, kurz Informatik. Natürlich hat es dieses Fach im 19. Jahrhundert noch nicht gegeben, doch selbst wenn, wäre Ada allein aus der Tatsache heraus, eine Frau zu sein, eine Karriere nicht offengestanden.

Männer im Überschuss

Viel am Rollenbild der Frau hat sich seither geändert, theoretisch haben Frauen heute so gut wie alle Berufsmöglichkeiten. Die eher technischen Berufe und Studiengänge sind jedoch weiterhin männerdominiert. "In der Wiener AHS, die ich besucht habe, war Informatik nie ein großes Thema", versucht die 26-jährige Stephanie dem geringen Frauenanteil in dem Fach, der an Österreichs Universitäten zwischen 16 und 20 Prozent schwankt, auf den Grund zu gehen. "Man lernt ein paar einfache Programme, nix Aufregendes, und schon gar aufmerksam gemacht wurden wir, was man damit später einmal anfangen könnte", bedauert sie rückblickend. Ihrer 25-jährigen Kollegin, mit der sie gerade bei IBM Österreich ein Traineeprogramm absolviert, ist es nicht viel anders gegangen. Die Niederösterreicherin stieß, wie sie erzählt, eher durch Zufall auf das technische Studium. "Der vielseitige Studienplan hat mich von Anfang an begeistert, und die Berufsaussichten sind auch durchwegs sehr positiv."

Verwunderung

Dass so wenige Frauen sich für diesen Zweig interessieren, hat die beiden aber anfangs selbst ein bisschen überrascht. "Bei einer reinen Informatikvorlesung an der TU Wien waren von 800 Zuhörern gerade einmal zehn Mädels", erinnert sich Katrin. Von den Professoren ganz zu schweigen. "Hier ist der Männeranteil 100 Prozent", betont Stephanie, die an der Wiener Haupt-Uni studierte.

Kommt gelegen

Die männlichen Kommilitonen waren indes alles andere als unglücklich über Katrin und Stephanie. "Besonders bei Gruppenarbeiten haben sie zugegeben, dass es gemeinsam mit Mädels besser läuft", sagt Katrin und schmunzelt. "Die Burschen spielen halt gern die technischen Experten, die Frauen tragen dann die Details zu einem sinnvollen Ganzen zusammen", ergänzt Stephanie.

Unerschöpflich

Technik sei einfach was Kniffliges, Spannendes, Innovatives, bei dem man garantiert nie auslerne - sind die beiden von ihrer Berufswahl überzeugt. Bei IBM wollen sie sich zunächst einmal ein paar Sporen verdienen und schauen, welche Karrierechancen sich bieten. (Karin Tzschentke, DerStandard/Prinausgabe vom 8. März 2007)

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