"Privat oder Staat": Ältere denken nicht übers Altwerden nach

15. März 2007, 15:15
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Die meisten möchten im Alter zu Hause betreut werden - Selbst in der Altersgruppe der 70-Jährigen macht sich nur die Hälfte Gedanken

Linz – Obwohl die Lebenserwartung steigt, setzt sich die Bevölkerung mit dem eigenen Älterwerden so gut wie nicht auseinander. Fast drei Viertel der erwachsenen Österreicher und Österreicherinnen machen sich zu dem Thema keine Gedanken. Selbst in der Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen denkt nur die Hälfte der Senioren darüber nach. Die Ergebnisse dieser repräsentativen Studie sind zwar schon acht Jahre alt, aber immer noch aktuell, betont Oberösterreichs Grüne Sozialsprecherin Doris Eisenriegler.

80 Prozent werden von Angehörigen gepflegt

Eine mögliche Erklärung, warum Altwerden zumindest für die Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen kein Thema sein dürfte, liefert die Statistik. 80 Prozent der Pflegegeldempfänger werden zu Hause überwiegend von Angehörigen gepflegt, dies scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein. Die Wahlfreiheit, entweder zu Hause oder im Heim betreut zu werden, müsse demnach abgesichert werden, fordert Eisenriegler.

"Mobil vor stationär"

"Mobil vor stationär", dazu bekennt sich auch SPÖ-Soziallandesrat Josef Ackerl bei der Altenpflege. Deshalb hat er einen neuen "Bedarfs- und Entwicklungsplan" erstellen lassen. Die Zahl der mobilen Heimhilfe- und Pflegekräfte müsse bis 2015 verdoppelt werden, was rund 70 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr bedeute.

Weniger ins Heim

In spätestens zehn Jahren werden in Oberösterreich 82.500 Menschen auf Pflege angewiesen sein, derzeit seien es 70.000. Die Tendenz, dass nur noch Menschen mit hohem Pflegebedarf in ein Heim kommen, werde sich weiter fortsetzen. So betrage bereits heute das Durchschnittsalter von Heimbewohnern 82 Jahre, der Anteil jener mit einer hohen Pflegestufe (ab Stufe 4) liege schon jetzt bei über 40 Prozent, sagt Eisenriegler.

Entwicklung hochwertiger Heimpflege

Diese Entwicklung wiederum mache auch die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Heimpflege deutlich. Angehörige können diese Leistung nicht alleine erbringen, nicht zuletzt auch deshalb, da auch sie meist schon Pensionisten sind, betont Ackerl. Bei der mobilen Betreuung werden deshalb laut Entwicklungsplan in den nächsten zehn Jahren 693 neue Planposten benötigt, derzeit seien es 564.

Pflegemodelle: "Privat oder Staat"P> Wie die Pflegemodelle aussehen und wie sie finanziert werden können, darüber wird am Freitag in Linz diskutiert. Die Grünen 50+ haben nationale und internationale Experten zu dem öffentlichen Symposium "Privat oder Staat" ins alte Linzer Rathaus geladen. Über das Altern macht sich in Österreich nur die Hälfte der 60- bis 70-Jährigen Gedanken. In Oberösterreich werden 80 Prozent der Pflegebedürftigen von Angehörigen daheim betreut. Deshalb setzt man dort auf den massiven Ausbau der mobilen Pflegehilfe.

Die meisten möchten im Alter zu Hause betreut werden. Die Tendenz, dass nur noch Menschen mit hohem Pflegebedarf in Heimen betreut werden, wird sich fortsetzen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe 8.3.2007)

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    Wie die Pflegemodelle aussehen und wie sie finanziert werden können, darüber wird am Freitag in Linz diskutiert

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