Naumann will Hamburg mit Schröder erobern

15. März 2007, 15:35
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"Zeit"-Herausgeber setzt auf Wirtschaft

Die Erleichterung war Kurt Beck anzumerken: "Ich bin froh darüber, dass diese vorübergehende Krise jetzt weg ist", sagte der SPD-Chef, als bekannt wurde, wer die Hamburger Partei in die Bürgerschaftswahl Anfang 2008 führen soll: der frühere Kulturstaatsminister und jetzige Zeit-Herausgeber Michael Naumann. Und auch bei den Genossen in der Hansestadt stehen die Zeichen nun wieder auf Zuversicht, wenngleich den einen oder anderen Naumanns Personalauswahl verblüfft: Kaum nominiert, erklärte dieser, dass er gemeinsam mit Altkanzler Gerhard Schröder Wahlkampf machen wolle.

"Ich halte Gerhard Schröder für einen der besten Wahlkämpfer, den die Bundesrepublik je erlebt hat", begründet Naumann seine Entscheidung. Dass die Hamburger SPD einen professionellen Wahlkampf dringend nötig hat, hat sie in den vergangenen Wochen hinreichend demonstriert. Weil sich die Genossen nicht einig werden konnten, ob sie mit Landeschef Mathias Petersen oder dessen Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt in die Wahl ziehen sollen, wurde eine Urabstimmung abgehalten. Bei der Auszählung jedoch fehlten plötzlich rund 1000 Stimmkarten. Als die Polizei Ermittlungen aufnahm, trat der Landesvorstand geschlossen zurück. Es begann eine hektische Suche nach einem Rettungsanker. Sogar Henning Voscherau, der von 1988 bis 1997 Bürgermeister von Hamburg war, wurde wieder gefragt. Er sagte jedoch nach kurzer Bedenkzeit ab.

Ihm sei die Entscheidung, "in prekärer Situation für die SPD zu kandidieren, relativ leicht gefallen", meint hingegen Naumann, der mit einem klar wirtschaftsfreundlichen Kurs für mehr Unternehmensansiedlungen in Hamburg werben will.

In der Hansestadt regiert derzeit Ole von Beust (CDU) mit absoluter Mehrheit. 2001 verlor die SPD die Wahl, nachdem sie zuvor 40 Jahre lang an der Macht gewesen war und Politgrößen wie den späteren Kanzler Helmut Schmidt und den legendären Bundestagsfraktionschef Herbert Wehner hervorgebracht hatte. Von Naumanns Glanz soll auch ein wenig auf die gesamte SPD abstrahlen. Diese liegt laut einer Stern-Umfrage derzeit mit 25 Prozent auf dem tiefsten Stand seit der Bundestagswahl 2005, während die Union bei 35 Prozent hält. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2007)

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    Einstimmig zum Kandidaten ausgewählt: "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann soll die krisengebeutelte Hamburger SPD zum Erfolg bei der Bürgerschaftswahl 2008 führen.

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