Erste Phase kostet niedrigen, zweistelligen Millionen-Betrag

7. März 2007, 18:08
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Ausschreibung könnte noch heuer erfolgen - Realisierung aber erst nach 2010 wahrscheinlich - T-Systems, Telekom Austria & Co. interessiert

Wien - Der neue elektronische Gesundheitsakt (ELGA) wird in der ersten Phase einen niedrigeren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag verschlingen. Stimmt die Bundesgesundheitskommission im Frühjahr einer weiteren Detailplanung zu, könnte der Auftrag noch heuer ausgeschrieben werden, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Mit einer Vergabe ist allerdings erst 2008 zu rechnen, eine Realisierung vor 2010 gilt deshalb als unwahrscheinlich.

Datenerfassung könnte zehn Jahre dauern

Bis sämtliche Ärzte und Befunde in dem System erfasst sind, wird es nach Einschätzung der Experten noch mindestens zehn Jahre dauern. Geht es jetzt in der ersten Phase um rund 26 Millionen Einträge pro Jahr aus Radiologie, Laborbefunden und Entlassungsbefunden in den Spitälern, müssten für die Erfassung sämtlicher Patientendaten alleine über 160 Millionen Einzelmedikament-Verschreibungen jährlich miterfasst werden. Die für die erste Phase geschätzten knapp sieben Abrufe pro Sekunde würden bei vollständiger Datenerfassung in derzeit noch kaum abschätzbare Dimensionen steigen.

Konkrete Aufträge

Konkret in Auftrag gehen werden zunächst ein "Master-Patienten-Index", ein "Dienstleister-Index" mit sämtlichen medizinischen Einrichtungen, dessen Ärzte und Personal und eine Suchmaschine zur Bedienung des Systems. Das beinhaltet auch ein ausgefeiltes Sicherheitssystem etwa durch Fingerprint oder andere Personen-Erkennung, damit man genau registrieren kann, wer von wo Patientendaten abruft.

Ministerium: keine Bedenken bei Datensicherheit

Datensicherheitsbedenken sind daher aus Sicht des Ministeriums unbegründet. Während jetzt oft völlig unbekannt bleibe, durch welche Hände Befunde wandern, werde das künftige System jeden Abruf dokumentieren und genau zuordnen können. Die Daten würden außerdem grundsätzlich bei den behandelten Ärzten, Labors und Spitälern verbleiben. Eine zentrale Erfassung sei nicht geplant, betont man.

Konkurrenz

Gute Chancen für die Erstellung der Indizes werden vor allem dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger eingeräumt, zumal er über die Sozialversicherungsnummer schon 98 Prozent der österreichischen Bevölkerung erfasst hat und mit so gut wie jeder medizinischen Einrichtung im Vertrag steht. Um die Registrierung rittern schon jetzt die "üblichen Verdächtigen" - etwa das Bundesrechenzentrum, die Deutsche Telekom-Tochter T-Systems, die mit Siemens und der oberösterreichischen Firma Systema schon in den Niederösterreichs Landeskrankenhäusern ein Herzeigebeispiel realisiert hat, oder auch die Telekom Austria.

Weniger gute Chancen werden dagegen IBM geräumt, zumal der Konzern bereits die Machbarkeitsstudie erstellt hat und sich damit selbst die Ausschreibungskriterien definiert hätte. Beim blauen Computerriesen will damit dennoch eine Bewerbung bei der Ausschreibung nicht ausschließen. Man werde sich jetzt noch nicht festlegen, sagte ein IBM-Sprecher. (APA)

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