EDV "von der Wiege bis zur Bahre"

7. März 2007, 18:10
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Die Autorin der ELGA-IBM-Studie: "Idee einfach und einleuchtend" - Technische Umsetzung wäre kein Problem

Wien - Im Auftrag der österreichischen Bundesgesundheitsagentur untersuchte IBM die Machbarkeit der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) in Österreich. Mittwochnachmittag wurde das Papier in Wien vorgestellt. "Die Idee hinter der Elektronischen Gesundheitsakte ist einfach und einleuchtend", erklärte Astrid Pfeifer-Tritscher, Leitende Beraterin Health-Care und Social-Security bei IBM Österreich und Projektleiterin der Studie.

Vorteil

Ein praktischer Nutzen laut der Autorin: "Wenn man bei einem neuen Arzt oder im Spital seine medizinische Vorgeschichte richtig darstellen soll, kann das sehr mühsam sein. Man muss sich selbst daran erinnern, ob man manche Medikamente irgendwann nicht vertragen hat oder ob ein bestimmter Befund früher schon einmal erstellt wurde. Viel besser wäre es, wenn diese Angaben den Ärzten und Spitälern elektronisch vorliegen könnten."

Keine zentrale Speicherung

Ein zentraler Monster-Speicher intimster Daten der Patienten soll nicht entstehen. Astrid Pfeifer-Tritscher: "Eine zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten ist ausdrücklich nicht vorgesehen." Die Daten sollten - so wie bisher - bei den Spitälern, Ärzten und Labors bleiben. Mit ELGA werde jedoch organisiert, wie man auf diese Informationen zugreifen kann und wer zugreifen darf. Im Kern ginge es um eine rechtlich abgesicherte, gemeinsame Nutzung elektronischer Daten. Verwendet würden nur abgeschlossene Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse und auch das nur, wenn der Patient es wünscht.

Resümee

Das Ergebnis der IBM-Studie: ELGA ist machbar. Dabei stellte sich die Technik als das geringste Problem heraus. In ganz Österreich gäbe es bereits zahlreiche kleine Einzelprojekte und eine Infrastruktur, die man nützen könne. Schwieriger und wichtiger seien die Aufgaben, die im rechtlichen und organisatorischen Bereich lägen.

Patienten sollen selbst entscheiden

"Selbstverständlich muss man sicherstellen, dass die Patienten selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie an ELGA teilnehmen und wer ihre Daten sieht", meinte Michel Haas, Managing Partner der GeniaConsult, die im Rahmen der Machbarkeitsstudie rechtliche Aspekte analysierte. Man benötige dafür jedenfalls ein eigenes ELGA-Gesetz.

Das Modell der Studie

Elektronisch soll genau protokolliert werden, wer wann auf welche Daten zugegriffen hat - was derzeit nicht erfolge. Auch die Patienten sollten diese "elektronischen Fingerabdrücke" überprüfen können, das erhöhe die Kontrolle und Transparenz weiter. Haas betonte die Chance, den Datenschutz dadurch besser zu machen, als er es derzeit ist: "Mit einem elektronischen Fingerabdruck lassen sich Daten ja viel wirksamer schützen als Papier. Befunde auf Papier kann heutzutage auch ein Unbefugter lesen oder kopieren, ohne dass das auffällt. Elektronisch kann man jeden Zugriff exakt nachverfolgen und ein Missbrauch muss scharf bestraft werden."

Informationssystem mit Grenzen

Die Studie kommt jedenfalls klar zu dem Ergebnis, dass ein elektronischer Austausch der Dokumente die Betreuung der Patienten verbessert. "Elektronisch bekommt der Arzt die Befunde nicht nur schneller, er kann auch unnötige Belastungen für den Patienten vermeiden", beschrieb Peter Christen, Health-Care und Life Science Executive IBM Österreich. "Wenn ein Patient heute den Arzt wechselt, muss er vielleicht eine Röntgenaufnahme wiederholen, weil die alten Bilder und Befunde unauffindbar sind. Was neuerliche Untersuchungstermine und eine unnötige Strahlenbelastung bedeutet", fügte er hinzu. Allerdings, wenn - wie es auch jetzt geschieht - Arzt- und Patientenbriefe im Spital zu spät geschrieben werden oder die Dokumente von niedergelassenen Ärzten nicht perfekt sind, wird man auch in ELGA nur bedingt Nutzbares an Informationen finden.

Kostenfrage

IBM untersuchte auch finanzielle Aspekte und ging der Frage nach, ob ELGA die Kosten im Gesundheitswesen senken oder die Leistungen erhöhen würde. Die Antwort ist vorsichtig positiv. Zwar kann man Erfahrungen aus dem Ausland rechnerisch nicht direkt auf Österreich übertragen, dennoch lässt die Studie auch einen wirtschaftlichen Mehrwert erwarten. Beziffert wird das in der Studie genau so wenig wie die zu erwartenden Kosten.

Vorbild Dänemark

Einige europäische Länder können IBM zufolge bereits positive Erfahrungen mit elektronischen Gesundheitsakten vorweisen. Als Vorbild dient Dänemark. Dort begann man Mitte der 90er Jahre, ein System für den medizinischen Datenverkehr einzurichten, und zwar langsam und Schritt für Schritt. Spitäler, Ärzte, Apotheken, Labors und andere Institute wie zum Beispiel Röntgeninstitute nehmen an dem System teil und tauschen Gesundheitsinformationen aus. Die EU will solche Systeme ebenfalls etabliert sehen. (APA)

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