Lernen von Bernard Rudofsky im AzW

7. März 2007, 16:15
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Erste Ausstellung über altösterreichischen Architekten, Designer, Kurator, Autor und Theoretiker

Wien - "Lessons from Bernard Rudofsky" erteilt das Architekturzentrum Wien (Az W) in einer neuen Ausstellung, die heute, Mittwoch, Abend eröffnet wird und mit dem Leben und Werk eines der originellsten Pioniere der Moderne bekannt macht. Der Altösterreicher Rudofsky (1905-1988) vertrat einen ganzheitlich erweiterten Architekturbegriff, in dessen Mittelpunkt die menschlichen Bedürfnisse standen - bis hin zum adäquaten Schuhwerk.

Nach der noch von Rudofsky selbst kuratierten Ausstellung "Sparta/Sybaris" 1987 im Wiener MAK, werde nunmehr erstmals eine Schau über Rudofsky präsentiert, wie Az W-Leiter Dietmar Steiner bei der Presseführung vermerkte. In der kulturkritischen Tradition von Adolf Loos und Josef Strnad stehend, sei Rudofsky insbesondere wegen seiner skeptischen Haltung gegenüber ästhetischen Dogmen für die Gegenwart relevant.

"Lebensinstrument"

Rudofsky, 1905 in Mähren geboren und in Wien aufgewachsen, wo er an der Wiener Technischen Hochschule Architektur studiert hatte, war ein Kosmopolit, der seit seiner Studienzeit wesentliche Eindrücke auf Reisen sammelte und sich mit anonymer Architektur und fremden Lebensweisen beschäftigte. 1932 übersiedelte er nach Italien, wo er seine spätere Frau Berta kennen lernte, die auf vielfältige Weise, u.a. als Chauffeurin und Modell, mit ihm zusammen arbeitete. 1938 emigrierte das Paar zunächst nach Südamerika, ab 1941 lebten die beiden dann in New York.

Auch wenn Rudofsky in seinen frühen Bauten in Italien und Brasilien die Formensprache der Moderne verwendete, positionierte er sich mit seiner Auffassung vom Haus als "Lebensinstrument" im Gegensatz zu funktionellen Architekturkonzepten wie Corbusiers "Wohnmaschine". Vorbildlich waren für ihn die japanische Bauweise und das mediterrane Atriumhaus, die er idealtypisch in seinem Wohnhaus auf der Insel Procida verband.

"Are Clothes Modern?"

Als Kulturtheoretiker beschäftigte sich Rudofsky aber auch mit Mode, Schuhen, Essen oder dem Baden. Er konzipierte zahlreiche Ausstellungen, darunter 1944 die Schau "Are Clothes Modern?" im New Yorker MoMa und die Wanderausstellung "Architecture without Architects" (1964), die elf Jahre lang um die Welt tourte. Er entwarf Stoffe, dokumentierte etwa verschiedene Methoden Salate anzurichten und entwickelte nach antikem Vorbild die dem menschlichen Fuß gemäßen "Bernardo Sandals". Die Sandalen werden noch heute in Houston, Texas, produziert und dürften, wie Kuratorin Monika Platzer vermutet, nach der Schau vermutlich eine Renaissance erleben.

Die Ausstellung präsentiert in sechs "Lessons" u.a. Fotos, Skizzen und Modelle von Rudofskys wichtigsten Bauten - insbesondere die Casa Procida, die Casa Oro in Neapel, die Casa Arnstein in Sao Paolo, den Nivula Wohngarten in New York und das zuletzt von ihm realisierte Sommerhaus "La Casa" im andalusischen Frigiliana, die alle noch erhalten sind -, Stoff- und Sandalen-Modelle, theoretische Schriften, Fotos seiner Reisen und einen eigens für die Ausstellung gedrehten Film mit seiner im Vorjahr verstorbenen Frau Berta.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Getty Research Institute in Los Angeles, wo sie im Frühjahr 2008 gezeigt wird und dem Canadian Centre for Architecture in Montreal, wo sie ab 7. Juli zu sehen ist, entstanden. Begleitend ist ein deutsch-englisches Katalogbuch erschienen, das zugleich die derzeit einzige im Buchhandel verfügbare Publikation über Rudofsky darstellt. (APA)

Link: www.azw.at
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    Auch das kann Architektenarbeit sein: Sandalenentwurf von Rudofsky

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