Fernsehen in Afghanistan wieder erlaubt

23. Juli 2000, 22:03

Bislang "unislamisches" Medium soll Glaubensstrukturen festigen helfen

Kabul - Die radikalislamische Taliban-Regierung Afghanistans erwägt nach offiziellen Angaben die Wiederzulassung von Fernsehen - allerdings nur zur Förderung des Islam. Seit dem Machtantritt der früheren Milizen in Kabul haben die Taliban, die einen islamischen Gottesstaat in Afghanistan errichten wollen, jegliche Form der Unterhaltung - von Musiksendungen bis hin zum Fernsehen - verboten.

Bislang als "unislamisch" verboten

Der Vorschlag, das Medium Fernsehen unter bestimmten Bedingungen wieder zuzulassen, sei vom Ministerium für Information und Kultur auf einem Seminar für Taliban-freundliche Journalisten vorgetragen worden, teilte der stellvertretende Informations-Minister Abdur Rahman Hotak am Sonntag in Kabul mit.

Es sei ein "gesunder Vorschlag", das Medium zur Verbreitung der afghanischen Kultur und des Islam in der Welt zu nutzen, sagte Hotak. Das letzte Wort über die Nutzung des seit vier Jahren strikt als "unislamisch" verbotenen Mediums werde allerdings der oberste geistliche Führer in Kabul, Mullah Mohammad Omar haben, fügte der Vize-Minister hinzu.

Taliban unterdrückt praktisch jede/n

Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben die Taliban-Regierung wiederholt wegen der von ihnen erlassenen drakonischen Strafen für Verstöße gegen die äußerst strengen Verhaltensvorschriften gerügt, die insbesondere die Grundrechte der Frauen extrem einschränken. Erst kürzlich war in Afghanistan Frauen die Zusammenarbeit mit internationalen Hilfswerken verboten worden.

Doch auch Männer müssen sich in Acht nehmen, um nicht gegen die Vorschriften der fundamentalistischen Taliban zu verstoßen. Dies mussten vor kurzem Mitglieder eines pakistanischen Fußballclubs erfahren, die zu einem Freundschaftsspiel nach Afghanistan gekommen waren. Weil sie - aus der Sicht der Gastgeber unerlaubt - in kurzen Hosen spielten, wurden ihnen zur Strafe von den Sittenrichtern die Köpfe kahl geschoren.
(APA)

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