"HD-Photo"-Format soll "JPEG" ablösen - Standardisierung wird in Kürze erfolgen

11. Juni 2007, 14:36
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Qualität und effizientes Design dürften für sich sprechen, doch es braucht mehr um JPEG zu ersetzen - Öffnung der eigenen Technologie könnte viele Pforten aufstoßen

Der Softwarekonzern Microsoft wird nach Angaben der Branchenseite Cnet am Donnerstag im Rahmen der "Photo Marketing Association"-Messe in Las Vegas verkünden, sein HD-Photo-Format (ehemals "Windows Media Photo") bei einer Standardisierungsbehörde einreichen zu wollen. Die Wandlung der hauseigenen Technologie in einen neutralen Industriestandard stellt einen Meilenstein in den ambitionierten Plänen des Konzerns dar, den langgedienten JPEG-Standard durch eine qualitativ hochwertigere Lösung ersetzen zu wollen.

Nachhaltig sinnvoll

Vordergründig stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn es für das Unternehmen macht seine Schöpfung aus den Händen zu geben, verzichtet man derart doch auf Einnahmen durch Lizenzgebühren. "Wenn Microsoft auf eine weitläufige Adaption des Formats aus ist, muss es von Microsoft selbst getrennt werden", betont der InfoTrend-Analyst Ed Lee. Kurz gesagt möchte man mehr Bedeutung und Einfluss in der Welt der digitalen Fotografie gewinnen, auch wenn der Konzern diese Annahme bislang nicht kommentieren will. "Jene Firmen, die den Konsumenten helfen ihre Fotos zu verwalten und zugänglich zu machen (technologisch gesehen), werden einen signifikanten Einfluss haben, wenn es darum geht aus diesen Bildern Profit zu schlagen", so Lee und schielt dabei auf die breite Palette des Foto-Ökosystems, die Prozesse wie Druck, Bildbearbeitung oder Foto-Sharing-Dienste beinhaltet.

Nicht über Nacht

Microsoft hat Jahre an Forschung in HD-Photo investiert und weiß, dass man noch viele weitere Jahre an Arbeit in die Kreation einer JPEG-Alternative stecken muss. Dabei gilt es alle Lager der Industrie für sich zu gewinnen, die Kamera-Hersteller genauso wie die Konzerne der Foto-Druck-Branche. Das gesamte Ökosystem muss abgedeckt sein, weiß Rico Malvar, ein Microsoft-Forscher, der half das Format zu entwickeln.

Farbentreue

Digitalkamera-Entwickler suchen indes nach einem geeigneten Format, um eine reichhaltigere Farbskala nutzen zu können. Demnach gäbe es noch Platz für Innovationen, so der Direktor der Digital-Kamera-Abteilung bei Micron, die für die Entwicklung von Bildsensoren zuständig ist. Und tatsächlich bietet das Microsoft-Format praktisch bei sämtlichen Qualitäts-Parametern Vorteile gegenüber JPEG.

So kann HD-Photo bis zu 32 Bit an Daten für jede Farbe speichern, während JPEG bei maximal 8 Bit hält. Es komprimiert Daten doppelt so effizient, was entweder in einer zweimal höheren Qualität bei gleicher Größe resultiert oder in einer halbierten Datenmenge bei gleichbleibender Qualität. Nicht zuletzt wurde das Format designt, um gut mit den Bildverarbeitung-Chips der Kameras zusammen arbeiten zu können und um Speicheranforderungen zu reduzieren. Die Enkodierung von Bildern geschieht beispielsweise Schritt für Schritt, ohne dabei die gesamte Datei auf einmal laden zu müssen.

Vista und Adobe

Microsoft unterstützt das eigene Format mit Windows Vista und konnte bereits das für den Bildbearbeitungssektor bedeutende Unternehmen Adobe für sich gewinnen. Dennoch kann es laut dem Analysten Lee noch Jahre dauern, bevor man die "kritische Masse" erreicht hat. Alles in allem hat Microsofts HD-Photo-Unterfangen demnach gerade erst begonnen. (zw)

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