Slow Food versus Fast Food

12. Juli 2007, 16:44
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Schnellrestaurants setzen auf gesunde Alternativen - Italienische Bewegung will mehr Bewusstsein für Qualität, Aroma, Duft und Geschmack

Wien - Hektischer Alltag, stressiger Job und keine Zeit zum Kochen: Immer mehr Österreicher setzen auf Fertiggerichte oder Schnellrestaurants. Da kann es natürlich passieren, dass die bewusste Ernährung auf der Strecke bleibt. Aus diesem Grund setzen immer mehr Fast-Food-Lokale auf gesunde Alternativen: Salat statt Pommes frites, getrocknete Früchte statt Schokoladeneis. Einen komplett andere Richtung will die Slow-Food-Bewegung einschlagen. Sie möchte dem hektischen Treiben Genuss entgegen setzen.

Keine Vorverurteilung

Für den alarmierenden Anstieg von Übergewicht wird oft in erster Linie Fast Food verantwortlich gemacht. Ernährungswissenschafterin und Gesundheitspsychologin Hanni Rützler lehnt diese Verurteilung ab: "Fast Food und gesunde Ernährung sind kein Widerspruch", meint Rützler. "Wichtig ist, dass das Angebot in den Restaurants entsprechend erweitert wird, dass Portionsgrößen sowie Rezepturen optimiert werden und dass auch Getränke mit niedrigem Zuckergehalt angeboten werden", so die Expertin. Eine jährlich durchgeführte Studie von McDonald's zeigt, dass Kinder weniger essen als vor 20 Jahren, sie machen aber zu wenig Bewegung, heißt es in der so genannten Donald-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study).

Es mangelt an Bewegung

Seit mittlerweile 19 Jahren läuft diese Untersuchung, an der an die 1.200 Kinder teilnehmen. Dabei wird alles, was die Buben und Mädchen an drei Tagen essen und trinken, gewogen, protokolliert und ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass seit 1985 die Fettzufuhr zu Gunsten der Kohlenhydrate abgenommen hat. Ebenso gab es einen deutlichen Rückgang bei den Kalorien. Warum die Kinder dann immer dicker werden, hing von der mangelnden Bewegung ab.

Salat statt Burger

McDonald's hat deshalb schon sein einiger Zeit sein Sortiment erweitert. Die Burgercompany punktet mit ernährungsbewussten Angeboten und genauen Nährwertangaben auf den Verpackungen. So wurde der Shakin' Salad 2005 zwar aus dem Sortiment genommen, aber auf Grund der starken Kundennachfrage 2006 wieder eingeführt. "Er ist einfach praktisch zum Mitnehmen", sagt Pressesprecherin Barbara Taussig. Beim Gartensalat konnte 2006 sogar eine Absatzsteigerung von 46 Prozent erreicht werden. Laut Taussig ist McDonalds mit 1.496 Tonnen der größte Anbieter von Salaten in der heimischen Gastronomie. "Bei uns wird es immer Big Mac und MacFries geben, aber unsere Gäste genießen auch Salate, leichte Desserts wie Fruit & Yogurt oder Fruchttüten", so Andreas Schmidlechner, McDonalds-Marketing Director.

Slow Food: vom Verein zur Bewegung

Einen komplett anderen Weg schlägt die Slow Food-Bewegung ein. Sie will einer hektischen Zeit die Philosophie des Genusses und einen langsamen, bewussten Lebensstil entgegensetzen. Sich für das Genussmittel Essen Zeit zu nehmen, kommt an: Slow Food hat in über 100 Ländern mehr als 80.000 Anhänger. Der Italiener Carlo Petrini gründete 1986 in Bra im Piemont gemeinsam mit einer Hand voll Gleichgesinnter den Verein. Keiner der Beteiligten dachte damals, dass sich aus ihrer Aktion gegen geschmackliche Verflachung durch industrielle Einheitsgerichte eine internationale Bewegung entwickeln würde.

Durch Informationsarbeit, Verkostungen, Geschmacksschulungen und diverse Veranstaltungen versucht Slow Food bei Erwachsenen und Kindern ein Bewusstsein für Qualität, Aroma, Duft und Geschmack von originalen Produkten zu schaffen. Slow Food fördert dadurch kleine Betriebe, die bodenständige Gastronomie sowie die Hersteller von naturnahen, regionaltypischen Lebensmitteln. Das Motto: Nur wer weiß, was ihm verloren geht, ist bereit, sich für das Original und gegen naturidente Ersatzstoffe zu entscheiden. (APA)

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Slowfood
  • Nicht mehr das klassische Objekt der Begierde im Schnellrestaurant
    foto: pixelquelle.de

    Nicht mehr das klassische Objekt der Begierde im Schnellrestaurant

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