Mitten aus der Logik heraus

27. Juni 2007, 13:33
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Matthäus Jiszda und Kollege Peter de Leeuw, Geschäftsführer des internationalen Gewerbeimmobilien- Maklers DTZ, im STANDARD-Gespräch

Logisitikcenter entwickeln sich zum Schlagwort der kommenden Jahre. Welche Rolle DTZ dabei spielen wird, erklären die beiden Geschäftsführer im Gespräch mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Neuerdings setzen Sie stark auf Logistikimmobilien und wollen sich hier als Marktführer etablieren. Doch einen solchen Markt gibt es in Österreich gar nicht.

Matthäus Jiszda: Wenn Sie damit die fehlenden Marktforschungsdaten ansprechen, muss ich Ihnen Recht geben. Tatsächlich fehlen in Österreich derzeit detaillierte Marktstudien über den Bedarf an Logistikimmobilien sowie über das aktuelle Flächenangebot. Das wollen und werden wir aber ändern. Wir bereiten derzeit gemeinsam mit professionellen Partnern der Speditionswirtschaft die erste umfassende Marktanalyse zu diesem Thema vor. Im Herbst wird sie veröffentlicht

STANDARD: Warum gibt es denn bis dato keine Marktforschung in Österreich? Liegt es daran, dass die wirklich bedeutenden Logistikkorridore laut Europäischem Raumentwicklungskonzept an Österreich vorbeilaufen?

Jiszda: Es stimmt, es gibt keinen homogenen Markt für Logistikimmobilien. Bedarf gibt es allerdings genug, und dieser wird jedenfalls noch weiter steigen. In Osteuropa werden seit Jahren auf Verdacht, also spekulativ, Logistikcenters errichtet, die dann in Teilflächen vermietet werden.

Peter de Leeuw: Richtig ist jedenfalls auch, dass abgesehen von der Brenner-Transitstrecke keine großen europäischen Transportachsen Österreich durchqueren. Die Märkte werden durch wesentliche Transportwege miteinander verbunden, die Standorte gewinnen an Bedeutung. Österreichische Logistiker befinden sich derzeit in einem Konsolidierungsprozess.

STANDARD: Die wirklich großen Logistikzentren entstehen in Bratislava, Budapest und in Slowenien. Da bleiben für Österreich doch nur noch die Brösel übrig.

de Leeuw: Wir dürfen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern müssen vielmehr den Zweck der unterschiedlichen Standorte und die damit verbundenen Entwicklungen beobachten. Generell geht es uns auf österreichischem Boden darum, die Auftragsspitzen aufzufangen, die unsere Logistiker in ihren eigenen Immobilien weder decken können noch wollen. Einheimische Entwickler sind der Meinung, dass Logistikflächen durchaus spekulativ errichtet werden können - und das ist ein spannender und aussagekräftiger Vorstoß!

STANDARD: In derart riesigen Logistikcentern werden Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Da rollt eine unheimliche Verkehrslawine auf Österreich zu.

Jiszda: Nein, solche Megalogistikparks wird es in Österreich nicht geben. Es erscheint unrealistisch, dass von hier aus die überregionale Verteilung nach Osten gesteuert wird. Auch die Mietpreise und Lohnnebenkosten sprechen dagegen. Andererseits erscheint es ineffizient, wenn beispielsweise der Großraum Wien von einem Logistikcenter in Bratislava versorgt wird. Aber ich muss Sie korrigieren: Regionale Logistikcenter tragen nicht zu einem Anschwellen des Verkehrs bei, sondern minimieren diesen und gestalten die Verteilung effizienter.

STANDARD: Wo wird es in Zukunft interessant werden?

Jiszda: Ein sehr aktuelles Thema ist die zukünftige Neunutzung des Güterumschlagplatzes Südbahnhof und Nordwestbahnhof, hier werden große Verteilungszentren wegfallen. In diesem Punkt stehen noch viele Fragen offen.

STANDARD: Welche Möglichkeiten sehen Sie?

de Leeuw: Klug geplante Logistikcenter mit optimaler Infrastruktur wie Anbindung an Bahn, Straße und eventuell Wasser. Der Güterverkehr muss unbedingt auf das notwendige Maß reduzieren werden. Das Positive an der Sache: Wir spüren in unseren Gesprächen auch seitens der Politik ein großes Interesse, sich diesem Thema zu nähern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.3.2007)

  • Peter de Leeuw (li.) und Geschäftsführer Matthäus Jiszda: "Es gibt in Österreich derzeit keinen homogenen Markt für Logistikimmobilien, doch der Bedarf ist ohne Zweifel da."
    fotos: dtz

    Peter de Leeuw (li.) und Geschäftsführer Matthäus Jiszda: "Es gibt in Österreich derzeit keinen homogenen Markt für Logistikimmobilien, doch der Bedarf ist ohne Zweifel da."

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