Kandidat Miguet wegen Betrugsverdachts inhaftiert

20. März 2007, 13:39
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"Kandidat der Zivilgesellschaft" soll Erklärungen zu Wahlpatenschaften umgeleitet haben

Paris - Im Endspurt um die Zulassung zur Präsidentschaftswahl in Frankreich ist einer der Anwärter wegen Betrugsverdachts festgenommen worden. Wie der Anwalt von Nicolas Miguet am Mittwoch mitteilte, befindet sich der Bewerber des Steuerzahlerbundes RCF seit Dienstag in Polizeigewahrsam. Dem Herausgeber von Börsenzeitschriften wird vorgeworfen, Unterstützungserklärungen für die Wahlzulassung von Volksvertretern für andere Anwärter an seine eigene Adresse umgeleitet zu haben.

Jeder Präsidentschaftskandidat benötigt 500 dieser so genannten Wahlpaten, um antreten zu dürfen. Zahlreiche Bewerber haben vor Fristablauf am 16. März diese Hürde noch nicht genommen. Der 46-jährige Miguet war bei der letzten Wahl 2002 an der Hürde gescheitert.

Die Justiz leitete vorläufige Ermittlungen wegen Dokumentenfälschung zur Täuschung der Öffentlichkeit und Umleitung von für die Behörden bestimmten Unterlagen ein. Der für die Wahlpatenschaften zuständige Verfassungsrat hatte Ende Februar auf eine groß angelegte Kampagne Miguets aufmerksam gemacht. Demnach erhielten zahlreiche zu Patenschaften berechtigte Abgeordnete und Bürgermeister von ihm Dokumente unter dem Titel "Offizieller Leitfaden an Volksvertreter - Patenschaften der Kandidaten". Darin wurden die möglichen Wahlpaten aufgefordert, Unterstützungserklärungen an eine offiziell erscheinende Adresse in Paris zurückzuschicken, hinter der tatsächlich Miguet steckte. Denkbar ist, dass anderen Präsidentschaftskandidaten damit Patenschaften verloren gingen.

Miguet hatte in den vergangenen Jahren als Anführer einer Aktionärsrevolte gegen die Führung des hochverschuldeten Eurotunnels unter dem Ärmelkanal Schlagzeilen gemacht. In der Rolle des Präsidentschaftsanwärters sieht er sich als "Kandidat der Zivilgesellschaft", der "in einem Frankreich, das finanziell und moralisch in Konkurs gegangen ist" neue Hoffnung aufkeimen lassen will. (APA/AFP)

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    Nicolas Miguet

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