Mit Alternativen gegen den Hormonmangel

7. März 2007, 18:23
posten

Lebenslang Hormone schlucken oder Alternativen suchen - so einfach geht das leider nicht, erklärt die Medizinerin Wolkenstein im Interview

derStandard.at: Lebenslang Medikamente schlucken, obwohl man sich gar nicht so schlecht fühlt, das wollen viele nicht. Können da TCM oder Homöopathie eine Alternative sein?

Wolkenstein: Es gibt Beschwerden mit normalem Schilddrüsenbefund. Das heißt in der Blutabnahme kann man nicht erkennen, dass es sich um eine Unterfunktion handelt, weil alle Werte in der Norm sind. Der Patient hat aber bereits Symptome einer Unterfunktion. Dazu gehören Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme ohne mehr zu essen und Verstopfung. Da gibt es Ansätze sowohl in der Homöopathie, als auch in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin).

derStandard.at: Wenn wir bei der Homöopathie bleiben, welche Methoden gibt es da?

Wolkenstein: In der Homöopathie setzt man zum Beispiel Efeu ein, der auf die Schilddrüse aktivierend wirkt. Dann schaut man ob der Patient darauf anspricht und sich die Symptome bessern.

derStandard.at: Wie geht man in der TCM vor ?

Wolkenstein: In der TCM ist es so, dass man mehrere Möglichkeiten hat. Regulatorisch kann man mit der Akupunktur die Schilddrüse wieder anregen. Das funktioniert zum Beispiel über einen Punkt am Ohr, der auf das Schilddrüsenhormon wirkt. Hier gibt es so genannte Dauernadeln, die mehrere Tage im Ohr aktiv bleiben.

Den Hals durchlaufen eine Reihe von Meridianen, wie zum Beispiel der Magenmeridian. Über Punkte dieses Meridians kann ebenfalls ein regulatorischer Einfluss ausgeübt werden.

derStandard.at: In der TCM gibt es auch Kräutertherapien.

Wolkenstein: Genau, da kann man Kräuter zusammenstellen, die auf diese Störung Bezug nehmen. Wobei man hier eine sehr genaue Anamnese machen muss, um die vordergründigen Störungen herauszufinden. Ist es zum Beispiel die Müdigkeit oder kommt noch eine Gewichtszunahme dazu? Dementsprechend stellt man Kräuter zusammen, die einen Einfluss haben.

derStandard.at: Wie werden die Kräuter eingenommen ?

Wolkenstein: Als Tee. Apotheken können diesen in Form von Granulaten abgeben. Oder es geht um die Rohdroge, um Knollen oder Blätter – was eben verwendet wird. Die Apotheke kocht das ab und das wird dann mit Wasser aufgegossen eingenommen. Wir nennen das "Dekokt".

derStandard.at: Wie lange dauert die Therapie ?

Wolkenstein: Wenn ein Patient den Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion hat, wird dieser sowieso im dreimonatigen Abstand kontrolliert. Das ist notwendig um zu sehen ob sich die Situation verschlechtert und doch schon Schilddrüsenhormone nötig werden. Idealerweise kann man innerhalb dieses Zeitraumes von zwei bis drei Monaten mit alternativen Methoden arbeiten um heraus zu finden ob sich die Werte und das Befinden verändern.

derStandard.at: Wann entscheidet sich der Therapeut für Akupunktur und wann für Kräuter?

Wolkenstein: Eigentlich ist im regulatorischen Bereich die Kombination sinnvoll.

derStandard.at: Bei Befindlichkeitsstörungen können alternative Methoden helfen. Was ist mit Patienten, die schon ein paar Jahre Medikamente nehmen. Können diese auf Alternativpräparate umsteigen?

Wolkenstein: Nein, ich halte das nicht für sinnvoll. Denn ein Patient, dessen Schilddrüse nicht mehr in der Lage ist das Hormon zu produzieren, kann mit der Unterstützung von außen gut Leben. Ein Schilddrüsenhormon ist eigentlich nichts Dramatisches, sondern etwas Hilfreiches.

Das ist etwas anderes als bei der Pilleneinnahme, wo Sie sich auch die Venen schädigen. Die Unterstützung der Schilddrüse mit dem Hormon ist nebenwirkungsfrei. Außer es wird falsch dosiert und man kommt in eine Überfunktion hinein. Wobei das wiederum regelmäßig kontrolliert wird.

derStandard.at: Das heißt lebenslange Medikamenteneinnahme?

Wolkenstein: Also wenn jetzt jemand zu mir kommt und schon drei Jahre Schildrüsenhormone nimmt, dann würde ich dem nicht raten etwas anderes zu unternehmen. (Das Interview führte Andrea Niemann, derStandard.at, 7.3.2007)

  • Evemarie Wolkenstein: "Prävention heisst für mich,
heute zu erkennen, was übermorgen Probleme machen wird.
Daher ist mir wichtig die Vorteile
fernöstlicher und westlicher Erkenntnisse, 
Therapiemethoden und Denkansätze
zu Gunsten der Gesundheit 
einzusetzen."
    foto: standard/matthias cremer

    Evemarie Wolkenstein: "Prävention heisst für mich, heute zu erkennen, was übermorgen Probleme machen wird. Daher ist mir wichtig die Vorteile fernöstlicher und westlicher Erkenntnisse, Therapiemethoden und Denkansätze zu Gunsten der Gesundheit einzusetzen."

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.