Sieben Journalistinnen am Weltfrauentag hinter Gittern

12. März 2007, 13:32
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"Reporter ohne Grenzen" erinnert an das Schicksal all jener Frauen, die ihrer Arbeit wegen bedroht, verhaftet oder ermordet werden

Wien - Die internationale Journalistinnen- und Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) erinnert anlässlich des 30. Weltfrauentages am 8. März an das Schicksal all jener Frauen, die wegen ihrer Arbeit als Journalistinnen bedroht, eingeschüchtert, verhaftet oder ermordet werden. Alleine im Jahr 2006 verloren elf Reporterinnen in Ausübung ihres Berufes ihr Leben, sieben Journalistinnen müssen den Weltfrauentag 2007 hinter Gittern verbringen.

Über berufliche Verpflichtungen hinaus engagiert

"Der deutliche Anstieg dieser Zahlen ist darauf zurück zu führen, dass immer mehr Frauen als Journalistinnen arbeiten, dabei immer riskantere Aufgaben übernehmen und investigativ arbeiten, wodurch sie sich leicht Feinde schaffen", erklärte Rubina Möhring, die Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen Österreich", am Mittwoch in einer Aussendung. "Das beste Beispiel für die Gefährdung von investigativen Journalistinnen ist der Mord an Anna Politkowskaja vom vergangenen Oktober. Die zweifache Mutter bezahlte ihre Opposition zur Tschetschenien-Politik der russischen Regierung mit ihrem Leben. Wir bringen ihr und all den anderen Frauen, die oft weit über ihre berufliche Verpflichtung hinaus das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigen, unsere große Anerkennung entgegen", so Möhring.

Von den 82 Reporterinnen und Reportern, die 2006 in Ausübung ihres Berufes getötet wurden, waren elf (neun Prozent) Frauen; im Jahr 2005 waren es beinahe 13 Prozent gewesen - noch nie war dieser Anteil so hoch. 2004 betrug der Frauenanteil an der Statistik getöteter JournalistInnen 7,5 Prozent, 2003 waren es 2,5 Prozent. Die einzig gute Neuigkeit: Im Jahr 2007 kam bisher keine Journalistin ums Leben.

Brandherde

Die ehemalige Sowjetunion erwies sich 2006 als besonders gefährlicher Dienstort für Journalistinnen. Ogulsapar Muradova, Radio Free Europe-Korrespondentin in Turkmenistan, verstarb im September in der Haft, möglicherweise in Folge von Schlägen auf den Kopf, die ihr dort zugefügt wurden. Sie war im Juni verhaftet worden, nachdem sie behördenkritische Berichte veröffentlicht und einer französischen Journalistin bei ihrer TV-Dokumentation über Turkmenistan geholfen hatte. Im benachbarten Usbekistan ist die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Umida Niyazova seit 22. Jänner hinter Gittern. Ihr drohen zwischen fünf und zehn Jahren Haft, weil sie Zeugenaussagen über das Massaker in Andischan im Jahr 2005 in Umlauf gebracht hatte.

Reporterinnen wurden auch Opfer jener Gewalt, die von bewaffneten Gruppen im Irak ausgeht. Atwar Bahjat vom Fernsehsender Al-Arabiya wurde mit ihrem Team entführt, als sie über die Nachwirkungen des Bombardements eines schiitischen Schreins in Samarra im Februar 2006 berichtete, und später ermordet. Ungewöhnlich für den Irak ist, dass ihr Mörder festgenommen und einige Monate später zu Tode verurteilt wurde.

Reem Zeid vom irakischen Sumariya TV wurde gemeinsam mit ihrem Kollegen Marwan Khazaal am 1. Februar 2006 entführt. Reporter ohne Grenzen hat seither keine Nachrichten von von den beiden erhalten. Insgesamt wurden seit dem Beginn des Irakkrieges im März 2003 acht Frauen, darunter sechs Auslandskorrespondentinnen, als Geiseln genommen. Eine von ihren, die irakische Nachrichtenmoderatorin Raeda Wazzan, wurde von ihren Entführern umgebracht.

Im Libanon wurde im September 2005 die Starpräsentatorin des Fernsehsenders LBS, May Chidiac, von einer Bombe verstümmelt und schwer verletzt. Sie nahm nach zehn Monaten medizinischer Behandlung und Rehabilitation ihre Arbeit wieder auf. RSF verweist auf das Schicksal von sieben Journalistinnen, die wegen ihrer Arbeit in Haft sind: Munusamy Parameshawary (Sri Lanka), Saidia Ahmed (Eritrea), Serkalem Fassil (Äthiopien), Rabiaa Abdul Wahab (Irak), Umida Niyazova (Usbekistan) sowie Agnes Uwimana Nkusi und Tatiana Mukakibibi (beide Ruanda).

Mutige Frauen

"Reporter ohne Grenzen" (RSF/ROG) begrüßt das Engagement all jener mutigen Frauen, die sich weltweit für die Presse- und Meinungsfreiheit einsetzen: Sihem Bensedrine in Tunesien, Tadjigul Begmedova in Turkmenistan, Rozlana Taukina in Kasachstan, Zhanna Litvina in Belarus und Sayda Kilani in Jordanien sind nur einige der Frauen, die NGOs zur Verteidigung der Pressefreiheit vorstehen. Sie führen ihren Kampf unter besonders schwierigen Bedingungen und sind oft gezwungen, vor Behördenschikanen und Einschüchterungsversuche ins Ausland zu flüchten. (APA)

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    Das bekannteste Beispiel für die Gefährdung von investigativen Journalistinnen ist der Mord an Anna Politkowskaja im Oktober 2006.
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