AKW Temelin: Wieder Kühlflüssigkeit ausgetreten

15. März 2007, 17:54
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Zweiter Vorfall dieser Art innerhalb von wenigen Tagen

Die Serie von Zwischenfällen im Atomkraftwerk Temelin reißt nicht ab. Im ersten Reaktorblock sind am Dienstagnachmittag erneut 1.500 Liter Kühlflüssigkeit ausgetreten, teilte der Sprecher von Umweltminister Josef Pröll, Daniel Kapp mit. Kapp berief sich auf eine telefonische Voraus-Information der tschechischen Behörden. Man erwarte "umgehend" eine schriftliche Mitteilung über den Vorfall.

Es handle sich um die gleiche Art von Zwischenfall wie vorige Woche, da keine Radioaktivität ausgetreten sei, ergänzte Kapp. "Angesichts des erneuten Vorfalls innerhalb von wenigen Tagen gibt die Sicherheitskultur im Atomkraftwerk Anlass zu ernsthaften Fragen." Auf die Frage, ob und wie sich der neuerliche Zwischenfall auf die von Österreich erwogene Völkerrechtsklage gegen Tschechien auswirken könnte, sagte Kapp, die Vorbereitungen für die Klage seien "auf Schiene". Österreich sehe sich durch den Vorfall in seiner grundsätzlichen Kritik an Temelin bestätigt.

Am Montag vergangener Woche waren 2000 Liter Kühlflüssigkeit aus dem ersten Reaktorblock von Temelin ausgetreten. Der Vorfall führte zu einer Verstimmung zwischen Österreich und Tschechien, da Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bei seinem Antrittsbesuch in Prag am darauf folgenden Tag von seinem Amtskollegen Mirek Topolanek nicht über den Zwischenfall informiert wurde. Die tschechischen Behörden teilten Österreich erst am Donnerstag mit, dass es zum Austritt der Kühlflüssigkeit gekommen war. Gusenbauer sprach von einem "unfreundlichen Akt", der "Konsequenzen" haben werde.

Die rot-schwarze Bundesregierung steht innenpolitisch unter Druck, eine Völkerrechtsklage gegen Tschechien einzubringen, weil Prag die Betriebsgenehmigung für das südböhmische Atomkraftwerk erteilt haben soll, ohne die dafür im Melker Protokoll vereinbarten Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben. Tschechien bestreitet dies. Im November hatten alle fünf österreichischen Parlamentsparteien eine Entschließung verabschiedet, in der die Bundesregierung aufgefordert wurde, eine Klage gegen Tschechien einzubringen, sollte das Land nicht nachweisen können, alle im "Melker Protokoll" vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen erbracht zu haben.(APA)

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