Handy an Schloss: Ich will rein

6. März 2007, 21:23
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Bluetooth war gestern. Jetzt kommt eine Übertragungstechnologie, die aus Handys berührungslos funktionierende Schlüssel macht

Bluetooth war gestern. Jetzt kommt Near Field Communication, eine Übertragungstechnologie, die aus Handys berührungslos funktionierende Schlüssel und Geldbörsen macht. Im Softwarepark Hagenberg ist Near Field Communication ein Forschungsthema.

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Der neue Zukunftstrend in der Handywelt heißt "Near Field Communication" (NFC). Davon ist zumindest Professor Josef Langer von der Fachhochschule Hagenberg, Bereich Hardware/Software Systems Engineering, überzeugt. Zusammen mit Kollegen erforscht er den neuen Standard, der sich im Moment mit 100 Testpersonen in der Erprobungsphase befindet. "Im Rahmen eines Feldversuches ist es am Campus in Hagenberg seit November möglich, mit Telefonen, in die NFC integriert ist, zu bezahlen", berichtet Langer. Hinter der Technologie stehen Firmen wie der niederländische Elektronikkonzern Philips, der japanische Hersteller Sony und der finnische Handyspezialist Nokia. "Aber fast jeder Handyhersteller hat schon ein solches Gerät im Angebot - zumindest für Erprobungsstudien", sagt Langer.

Die Micropayment-Anwendung, die die 100 Tester gerade ausprobieren, funktioniert schon. So ist es in Hagenberg nichts Ungewöhnliches, wenn Studenten Ihre Geldbörse im Handy aufladen und dann am Cola- oder Kaffeeautomaten und in der Mensa mit ihrem Handy bezahlen. "Die Leute müssen nicht mehr zum Bankomat gehen, sondern zahlen innerhalb von weniger als einer Sekunde - nur mit Hinhalten des Handys auf die Leseeinheit."

Auch die Mobiltelefonkonzerne freuen sich: "Berührung ist eine intuitive und einfache Art, mit mobilen Geräten Verbindung herzustellen und zu kommunizieren", meint auch Nokia-Manager Pertti Korhonen. Dabei wird das Geld über eine Datenverbindung auf das Mobiltelefon gebucht. Die monatliche Abrechnung erfolgt über die Telefonrechnung.

Bei NFC wird die kontaktlose RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) in mobile Endgeräte integriert. Das Endgerät wird dabei zur kontaktlosen Smartcard, das so tut, als sei es ein RFID-Tag. Lesegeräte erkennen es deswegen als Transponder. NFC-Geräte können Inhalte auch direkt vom RFID-Tag beziehen. Die dritte Anwendungsmöglichkeit erlaubt den Datenaustausch zwischen zwei Geräten durch einfaches Aneinanderhalten der Geräte. So können neuartige Anwendungen realisiert werden, an die bisher nicht zu denken war. Wie etwa Informations-Services. So stehen auf dem Campus Terminals, bei denen sich die Studenten mit dem Handy Stundenpläne, Menüvorschläge und News abholen können.

"NFC Applications Conference"

Bis sich die kontaktlose Bezahltechnologie durchsetzt, dauert es aber sicher noch einige Zeit. Um die Sache zu beschleunigen, findet am 20. März 2007 in Hagenberg die 1. "NFC Applications Conference" statt. Langer: "Dort werden namhafte Referenten wie Hannes Ametsreiter (Mobilkom Austria) oder Gerhard Romen (Nokia) Technologie und Anwendungen erläutern." Damit es noch interessanter wird, gibt es neben den Vorträgen zu automatisierten Bezahl- und Zutrittssystemen auch die Möglichkeit, die neue Technologie selbst zu testen. So kann man auf dem Campus NFC-Handys nicht nur in den Kantinen und an Automaten einsetzen, sondern auch als Schlüssel. Man kann sich so Zutritt zu Hörsälen, Labors und der FH-Garage verschaffen.

Die Fachhochschulstudiengänge Hardware/Software Systems Engineering und Mobile Computing verweisen auf ihre langjährige Erfahrung im Bereich NFC. Im Rahmen des Forschungsprojekts hat der Campus Hagenberg 1,2 Millionen Euro aus den Forschungsprogrammen FHplus und FIT-IT via Forschungsförderungsgesellschaft FFG erhalten. Professor Langer, meint die beteiligten Firmen Mobilkom Austria, NXP Semiconductors (ehemals Philips), voestalpine, Omnikey aber auch akademische Partner wie die TU Wien und FH OÖ erwarten sich von der Kooperation "eine Schlüsselposition im Bereich der NFC-Technologie für Österreich".

Das Nachfolgeprojekt mit dem Namen "pureNFC" in Höhe von 764.800 Euro wurde bereits genehmigt. (Johannes Klostermeier/DER STANDARD, Printausgabe, 7. März 2007)

  • Handybesitzer können mit Near Field Communication leichter als bisher Rechnungen bezahlen. In Hagenberg läuft ein Feldversuch, eine Konferenz findet am 
20. März statt.
    illustration: der standard/fatih

    Handybesitzer können mit Near Field Communication leichter als bisher Rechnungen bezahlen. In Hagenberg läuft ein Feldversuch, eine Konferenz findet am 20. März statt.

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