Die Chemie stimmt

6. März 2007, 21:05
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In Innsbruck laufen die Fäden zweier internationaler Netzwerke zusammen

Bernd Michael Rode analysiert seit vielen Jahren, wie alles begann. Ganz besonders interessiert den Chemieprofessor aus Innsbruck, wie das Leben auf die Erde kam. Die chemische Evolution, die auf die physikalische, die Entstehung des Universums, folgte, ist sein zentrales Forschungsthema. Seine Papers handeln von Molekülen, die damals erstmals auftraten und heute in den Lebewesen vorkommen.

Eine mittlerweile seit zwölf Jahren bestehende Kooperation des von Rode geleiteten Instituts für Technische Chemie an der Leopold Franzens Universität Innsbruck mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und der Uni Bratislava, versucht Antworten auf ungeklärte Fragen der chemischen Evolution zu finden. Anfang des Jahres erkannte man zum Beispiel, dass alle Lebewesen aus linksdrehenden Aminosäuren bestehen.

Die Natur bedient sich nur einer der spiegelbildlichen Formen von optisch aktiven Aminosäuren, nämlich der, die das polarisierte Licht nach links, also gegen den Uhrzeigersinn dreht. Die Zusammenarbeit wird vom Wissenschaftsministerium gefördert. "Wir haben begonnen, lange bevor die EU östliche Nachbarstaaten für bilaterale Forschungskooperationen entdeckt hat", meint Rode.

Asea Uninet

Ein anderes Netzwerk, das Rode mitaufgebaut hat, besteht schon seit mehr als zwanzig Jahren: Asea Uninet, in dem nicht nur österreichische Universitäten, sondern auch 13 europäische mit 28 südostasiatischen Unis, davon 15 aus Thailand, fünf aus Indonesien, sechs aus Vietnam, einer von den Philippinen sowie der University of Karachi in Pakistan vernetzt sind. "Als 1983 alles begann, war der jetzige Bundespräsident Heinz Fischer noch Wissenschaftsminister", spielt Rode auf die lange Geschichte des Netzwerks an.

Asea-Uninet scheint Auswirkungen auf die Forschungs- und Technologiepolitik der erwähnten Staaten zu haben: Wenn Indonesien nach Möglichkeiten sucht, aus bestimmten Pflanzen der Insel Biosprit zu entwickeln, wird laut Rode genauso auf Know-how aus dem Netzwerk zurückgegriffen wie bei der Besetzung wichtiger Ministerposten zum Thema Wissenschaft und Forschung: In Indonesien, Thailand, Vietnam und Pakistan seien derzeit Politiker in dieser Position, die in Innsbruck Doktoranden waren. In Lahore in Pakistan entstehe derzeit nach österreichischem Vorbild eine Technische Universität inklusive Technologiepark.

Wie im Fall der Slowakei-Kooperation sei das Netzwerk nicht auf Wunsch der Politik, sondern aufgrund der von Wissenschaftern gesehenen Notwendigkeit entstanden, sagt Rode. "So etwas kann nur bottom-up entstehen." (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 7. März 2007)

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