KTM-Auto wird in Graz gebaut

27. März 2007, 14:30
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Was passiert mit Chrysler? Diese Frage ist am Genfer Autosalon eine der heißesten. Nebenbei wurde auch der Standort für die KTM-Autoproduktion verkündet

"Unsere Überzeugung, dass der Restrukturierungsplan bei Chrysler seine Ziele erreicht, basiert nicht auf Erwartung eines Absatzwunders. Unser Fokus liegt auf der Kostenseite, wo wir bis 2009 Verbesserungen in Höhe von 4,5 Mrd. US-Dollar erzielen werden." DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche ließ beim Gespräch auf dem Genfer Autosalon durchblicken, dass das Unternehmen zunächst einmal auf den Turnaround-Plan vertraut.

Andererseits prüfe man alle weiteren Optionen, die über den derzeitigen Status quo hinausgingen, und "wir wollen die Flexibilität wahren, uns für jede mögliche Lösung zu entscheiden". Die Frage, ob etwa Magna als ernsthafter Übernahmekandidat infrage käme, beantwortet der Konzernchef so: "Ich will nicht in diese Spekulationen einsteigen."

Vollhybrid-Mercedes kommt 2009

Stichwort CO2: Dass die deutschen Hersteller in der Umweltdebatte anfangs nicht unbedingt glücklich agiert hätten, räumt auch Zetsche ein. Daneben sei "leider völlig untergegangen, dass gerade die Deutschen hier erhebliche Fortschritte erzielt haben". Mercedes etwa habe die Schadstoff-Emissionen zwischen 1985 und 2005 um 30 Prozent reduziert. 2009 kommt übrigens der erste Vollhybrid-Mercedes. Abgesehen davon treibt man die Sauberdiesel-Offensive (Bluetec) massiv voran.

In Graz, "wo wir von Chrysler-Group-Seite die breiteste Palette aller Zeiten produzieren" (Anm.: Der neue Voyager wird nicht mehr bei Magna gebaut), werde dennoch - vom G abgesehen - auf absehbare Zeit kein Modell der Stuttgarter Firma vom Band laufen.

Neben dem ältesten Autohersteller der Welt hatte am Dienstag auch der jüngste seinen großer Auftritt: KTM. Firmenchef Stefan Pierer lud stolz zur "ersten KTM-Pressekonferenz auf einem Autosalon". Dank des X-Bow erreiche man mit der KTM-Philosophie der "reinrassigen Rennmaschine" nun auch Menschen, die keinen Motorrad-Führerschein hätten.

Restlos ausverkauft

Dieser "Ausdruck unserer Innovationskraft" wäre allerdings ohne Unterstützung von Audi/VW (liefern Motor und Getriebe) nicht möglich gewesen. 100 Stück der Pilotserie würden bei Dallara in Italien gebaut, Verkaufsstart: Herbst, und "wir sind doppelt überbucht" - also: restlos ausverkauft. Wie es weitergeht? Pierer: "Preislich ist unser Ziel, das Auto in Deutschland um rund 45.000 € anbieten zu können." Die Kleinserienfertigung für das spektakuläre Austro-Renngerät sei ebenfalls positiv entschieden: "500 Autos jährlich sind geplant. Gebaut wird der X-Bow ab April 2008 bei Magna Steyr in Graz."

Genereller Eindruck vom Salon in Genf: Die Branche stellt sich nach der ersten Schrecksekunde mehr oder weniger offensiv dem Thema Umwelt. BMW-Chef Norbert Reithofer etwa hielt eine fast programmatische Rede, in der er konzedierte: "Wir brauchen schnelle Lösungen."

In der Feststellung, die Diskussion versachliche sich jetzt zunehmend, offenbarte sich zwar noch der Wunsch als Vater des Gedankens. Dass aber künftig die Kernfrage "Wie ermöglichen wir weiter individuelle Mobilität?" deutlich mehr unter dem Aspekt der ökologischen Weitsicht und Nachhaltigkeit angegangen werden müsse, stehe für ihn fest.

Die Strategie sei auch nicht, Einzel-Ökomodelle zu entwickeln, sondern effiziente Dynamik quer über die ganze Fahrzeugpalette, was heiße: mehr Fahrdynamik bei gleichzeitig weniger CO2-Ausstoß. (Andreas Stockinger aus Genf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.3.2007)

  • Die KTM-Chefs Stefan Pierer (li.) und Rudolf Knünz (re.) sehen zu, wie sich Motorradweltmeister Heinz Kinigardner in Genf in den KTM-X-Bow zwängt.
    foto: standard/stockinger

    Die KTM-Chefs Stefan Pierer (li.) und Rudolf Knünz (re.) sehen zu, wie sich Motorradweltmeister Heinz Kinigardner in Genf in den KTM-X-Bow zwängt.

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