"Operation Achilles" startet

17. März 2007, 16:09
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NATO versucht, mit großangelegter Offensive gegen Taliban die Basis für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu schaffen

Mit der in der Nacht zu Dienstag begonnenen Offensive gegen die Taliban will die Nato in Südafghanistan die Basis für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Drogenprovinzen schaffen.

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Kabul/Brüssel - Im Morgengrauen bezogen die ersten Soldaten in der umkämpften südafghanischen Provinz Helmand Stellung. Kurz darauf verkündete die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf am Dienstag den Beginn ihrer "Operation Achilles" - die Frühjahrsoffensive gegen die wieder erstarkten radikalislamischen Taliban ist angerollt.

Die Nato und die internationale Gemeinschaft stehen unter enormem Druck, Afghanistans Abgleiten ins Chaos zu stoppen. 4500 Soldaten der Isaf - Briten, Kanadier, Amerikaner und Niederländer - und 1000 afghanische Sicherheitskräfte werden dafür ins Feld geführt, hieß es in einem Kommuniqué der Nato.

Ein niederländischer Regionalkommandant der Isaf, Generalmajor Ton van Loon, sagte, die "Operation Achilles" sei auf Bitten der afghanischen Regierung begonnen worden und solle zunächst Sicherheit in den Norden von Helmand bringen. Man werde sich zwar zunächst auf eine Verbesserung der Sicherheitslage konzentrieren. Übergeordnetes Ziel sei aber, die afghanischen Regierung dazu zu befähigen, mit dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region zu beginnen. Dabei geht es insbesondere um den Bau eines Staudamms mit Kraftwerk am Kajaki-See, etwa 100 Kilometer Luftlinie westlich von Kandahar. Bisher kontrollieren die Taliban und Drogenhändler die meisten Gebiete in Nordhelmand.

Der Start der Frühjahrsoffensive war von neuen Truppenzusagen der Europäer begleitet. Den Haag kündigte eine Aufstockung des niederländischen Kontingents um 3100 Soldaten bis 2008 an, Bulgarien will im Lauf des Jahres 400 Soldaten in Afghanistan stationieren, die Hälfte zur Sicherung des Flughafens in Kandahar. Die Gewalteskalation in Afghanistan setzt andererseits Italiens Premier Romano Prodi unter Druck. Ein kommunistischer Abgeordneter bezeichnete US-Angriffe vom Wochenende, bei denen mindestens zehn Zivilisten ums Leben kamen, als "Vergeltung im Stil der Nazis". Italien hat derzeit noch 1900 Soldaten im Land.

Der deutsche Bundestag wird am Freitag über die Entsendung von Tornado-Aufklärungsjets mitsamt 500 weiteren Soldaten abstimmen. Die Entsendung gilt unter Linkspolitikern wie Militärstrategen als unbrauchbar: Erwartet wird in Afghanistan eine starke Zunahme von Überfällen und Anschlägen durch die Taliban, aber kein massiver Aufmarsch. (dpa, Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2007)

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