"Mitten ins Herz": Romantik mit Hugh Grant

6. März 2007, 18:45
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Ein routinierter Unterhalter seiner Fans: Marc Lawrences Formelkinoromanze "Mitten ins Herz"

Wien - Ein Alleinunterhalter mit Playbackunterstützung gibt sein Bestes. In seinem Rücken prangt in Glitterziffern "1987", vor der Bühne drängen sich jede Menge begeisterter Frauen. Irgendwo im Hintergrund sitzen deren Männer und wundern sich. Wahrscheinlich waren sie schon damals vom glückselig machenden Taumel ausgeschlossen. Jetzt bleibt ihnen auch die Teilhabe an der Euphorie kollektiven, tätigen Erinnerns verwehrt.

Wenn Hugh Grant auf der Leinwand, in der US-Komödie Mitten ins Herz, das gealterte Jugendidol gibt, dann tut er das nicht nur für seine weiblichen Fans im Film. Gleichzeitig tritt hier nämlich auch ein Star auf, dessen Karriere ebenfalls nicht unwesentlich auf vergangene Erfolge baut:

Im notorischen Jahr 1987 gelang dem heute 46-jährigen Briten mit Rollen in Michael Radfords White Mischief und James Ivorys Maurice der Sprung von Fernseh- zu Kinoproduktionen. Sieben Jahre später folgte dann mit der paradigmatischen Romantic Comedy Four Weddings and A Funeral jener Film, der Grants Image als leicht zerknautschter Frauenschwarm endgültig fixierte.

Dass der Film um diesen Kontext weiß, darf als gesichert gelten. In Mitten ins Herz, der den weit prosaischeren Originaltitel Music and Lyrics trägt, darf Grant folglich zum wiederholten Mal den emotional komplizierten, dabei aber nie um eine gute Pointe verlegenen Briten geben. Genauer gesagt verkörpert er diesmal Alex Fletcher. Einst Mitglied der 80er-Jahre-Erfolgsband Pop, lebt der nach dem Scheitern eines Soloprojekts nunmehr wieder von der Darbietung der alten Hits.

Sein treuer Manager verschafft ihm ein Engagement als Songschreiber für eine Popprinzessin à la Aguilera und Co. Auf der Suche nach einem Texter entdeckt er in der Betreuerin seiner Topfpflanzen ein entsprechendes Talent. Nur wenige Tage und Nächte haben Alex und Sophie (Drew Barrymore) Zeit, um die neue Aufgabe angemessen zu bewältigen.

Zueinander zurück

Aber wenn die beiden an ihrem Song mit dem vorgegebenen Titel "A Way Back Into Love" feilen, dann gibt das natürlich auch die Richtung vor, in die sie sich selbst bewegen werden (der sich verringernde Abstand der Kamera bedeutet auch die Annäherung der Protagonisten).

Regisseur Marc Lawrence - der Grant in Two Weeks Notice bereits mit Sandra Bullock verkuppelte - inszeniert diese Formelkinoromanze visuell gänzlich unauffällig. Dafür hat er sich eine halbwegs originelle Ausgangssituation einfallen lassen und sich weiters an den dynamischen Schlagabtäuschen klassischer Screwball-Comedies orientiert.

Grant fällt dabei nicht weiter aus seiner angestammten Paraderolle, erweitert diese jedoch mit einiger Selbstironie um komische Nuancen. Seine treuen Fans werden das zu schätzen wissen. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 3. 2007)

Ab Freitag im Kino
  • Ein Erfolgsjahr im Nacken, die Fans im Visier: Hugh Grant trifft als Alex Fletcher "Mitten ins Herz".
    foto: warner

    Ein Erfolgsjahr im Nacken, die Fans im Visier: Hugh Grant trifft als Alex Fletcher "Mitten ins Herz".

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