"Bambi-Krieg" gegen die Deutschen

15. März 2007, 15:21
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Ein kanadischer Politiker holt zum Gegenschlag aus: Weil in Deutschland ein Einfuhrverbot für Robbenpelze erwogen wird, soll Kanada die Einfuhr von Wildfleisch verbieten

Kanada will Deutschland den "Bambi-Krieg" erklären: Denn als "Vergeltungsmaßnahme" für das von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer angekündigte deutsche Einfuhrverbot von kanadischen Robbenprodukten soll das Parlament in Ottawa aus Deutschland stammendes Reh- und Wildschweinfleisch mit einem Bannfluch belegen. "Statt sich über das angebliche kanadische Robbenschlachten aufzuregen", erklärte der Abgeordnete Scott Simms bei der Vorlage seines Gesetzentwurfs, "sollen die Deutschen erst einmal mit dem Abknallen von Bambis aufhören."

Alljährlich zu Beginn der winterlichen "Erntesaison" kommen die kanadischen Robbenjäger weltweit in ganz üble Schlagzeilen. Umwelt- und Tierschutzverbände stufen das Erschlagen der Robben mit Knüppeln als Tierquälerei ein und fordern schon lange ein totales Jagdverbot. Aus Protest verfügte die belgische Regierung als erster EU-Staat bereits vor zwei Monaten ein totales Einfuhrverbot für Robbenpelze, und Großbritannien kündigte in der vergangenen Woche "Maßnahmen" an.

Jäger in "nackter Not"

Aber in helle Aufregung versetzte die Kanadier erst Seehofers Plan. Denn neben den asiatischen Staaten ist Deutschland der drittgrößte Abnehmer von kanadischen Robbenpelzen. "Wenn das in Deutschland durchgeht, können wir einpacken", warnte Simms. Er ist Abgeordneter eines Wahlkreises in Labrador, der Heimat der meisten der rund 6000 kanadischen Robbenjäger. "Das sind alles im Winter arbeitslose Fischer, und denen droht bei einem deutschen Einfuhrverbot die nackte Not."

Die kanadischen Robbenjäger erinnern sich alle noch an das Jahr 1983, in dem die Europäer bereits die Pelzeinfuhr von schneeweißen Robbenjungtieren untersagten. Das führte zu einer Massenarbeitslosigkeit unter den Jägern und einem wenig später von der kanadischen Regierung verfügten gesetzlichen Jagdverbot für Jungtiere. "Von diesem Schlag beginnen wir uns gerade zu erholen", klagt Simms, "und jetzt machen die Deutschen wieder Ärger."

Die Jäger und ihr parlamentarischer Fürsprecher bestreiten die ihnen zur Last gelegte Tierquälerei entschieden. Das Erlegen der Robben mit Knüppelschlägen sei human: "Wer dagegen demonstriert, sollte sich doch mal im heimatlichen Schlachthof umsehen", kritisiert Simms. Im Übrigen gebe es eine regelrechte Robbenplage: "Die Kolonien werden immer zahlreicher und fressen komplette Fischgründe leer."

"Süße Bambis"

Statt seine Nase in die kanadischen Bemühungen zur Begrenzung der Robbenherden zu stecken, sollte sich der deutsche Landwirtschaftsminister besser mit den einheimischen Jägern beschäftigen, meint Abgeordneter Simms: "Die knallen jedes Jahr eine halbe Million Wildschweine und mehr als eine Million Rehe ab. Und unter denen sind viele süße Bambis. Und wie viele der nur angeschossenen Tiere dann qualvoll und langsam verenden, will ich erst gar nicht wissen."

Dass ein kanadisches Einfuhrverbot für Wildschwein- und Rehfleisch aus Deutschland ein wirksames Druckmittel wäre, glaubt nicht einmal Simms: "Kanadas Einfuhren von Wildbret aus Deutschland sind nicht sehr groß." Aber ihm geht es ums Prinzip: "Die Deutschen wollen mit zweierlei Maß messen und da machen wir nicht mit." (DER STANDARD; Printausgabe, 7.3.2007)

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