FP Burgenland: Rauter verzichtet auf Kandidatur

7. März 2007, 06:44
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Enzyklopädie des Blauen - Burgenlands FPÖ und der Streit um den Superlativ von "Feind"

Eisenstadt - Dienstagabend, FPÖ-Sonderparteitag in Eisenstadt. Es wird debattiert und debattiert. Dann aber, nach vier Stunden, kommt es zu einer überraschenden Wendung: Wolfgang Rauter, der letzte Redner, ergreift das Wort. Er erklärt - statt seiner Kandidatur für den burgenländischen FP-Obmann - seinen Verzicht und verlässt mit seinen Anhängern den Saal. Zurück bleiben die Mehrzahl der Delegierten, die Johann Tschürtz mit Handzeichen wählten.

Johann Tschürtz gilt, so formulierte es einmal ein Beobachter, als "der in einer Person konzentrierte Kernwähler". Wolfgang Rauter dagegen ist einer, dessen intellektuelle und rhetorische Kapazität geeignet scheint, die Parteigrenzen der FPÖ etwas zu erweitern. Die dienstägige Kampfabstimmung um die burgenländische FP-Obmannschaft hatte also auch durchaus grundsätzliche Aspekte.

Wollte man die Entwicklung des pannonisch-blauen Streits, der sich zuletzt bis zur beinhart üblen Nachred' gesteigert hatte, im Einzelnen beschreiben, wäre eine ganze Enzyklopädie vonnöten, die von A wie "ang'speist"bis Z wie Zeltner (Tschürtzens umstrittener Landesgeschäftsführer) hauptsächlich ums Persönliche zu kreisen hätte.

Den Auslöser der in manchen Momenten an eine sehr junge Protagonistenschar erinnernde Querele findet man unter K wie Kölly.

Jobs bei Wohlverhalten

Manfred Kölly, Deutschkreutzer und dort einziger amtierender FP-Bürgermeister des Burgenlandes, hatte vor der Landtagswahl 2006 als Klubobmann ein Abkommen geschlossen, das im Fall freiheitlichen Wohlverhaltens Kölly und anderen Blauen gut bezahlte Jobs versprach.

Es dauerte freilich bis in den Dezember des Vorjahres, in dem die schriftliche Vereinbarung sich in den Medien wiederfand, dass Parteichef Strache ein Machtwort sprach und Kölly - der seither wortreich seine Hände in Unschuld wäscht - die Parteitür wies.

Seither wird auf Biegen und Brechen gestritten. In aller Öffentlichkeit memoriert man die bekannte Steigerungsform von "Feind" (Feind - Todfeind - Parteifreund). Bis Tschürtz nun einen Sonderparteitag einberufen und Rauter sich als Kandidat ins Rennen gebracht hat. Selbst der Termin des Parteitags ging nicht ohne Unterstellungen. Kölly kritisierte vehement den Dienstagabend ("Pendler!"), Tschürtz verweist auf Strache, der sonst keine Zeit hätte. Auch die Nominierung der Delegierten blieb nicht unkommentiert. Kölly sieht Manipulationen zugunsten von Tschürtz. (APA/red/Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe 7.3.2007)

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    Johann Tschürtz (li.) ist seit 2005 Obmann der burgenländischen FPÖ und trat nun gegen Vorvorgänger Wolfgang Rauter an, der sich 2000 in den Richterberuf zurückzog.

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