Kopf des Tages: Claudia Bandion-Ortner

3. April 2007, 11:01
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Die Spezialistin für rote Großpleiten hat schon das Strafverfahren gegen die Männer rund um Ex-Konsum-Chef Hermann Gerharter geleitet

Zugegeben, es kam bisher erst einmal vor, aber es kam vor: Für 8. Juni 2002 hatte die Wiener Strafrichterin Claudia Ortner in den traditionsreichen Großen Schwurgerichtssaal des Grauen Hauses in Wien vorgeladen, aber nur Freunde und Verwandte, und zwar gleich 130 an der Zahl. Im mit historischen Möbeln eingerichteten größten Verhandlungssaal des Straflandesgerichts, dort, wo einst die Lainzer Krankenschwestern wegen Mordes verurteilt worden waren, oder ein Udo Proksch oder ein Helmut Frodl, tanzte die Richterin zu einer "Urteilsverkündung" an, äußerst fröhlich, und ganz in Weiß.

Von Beginn des Vorverfahrens weg war für Ortner (fortan: Bandion-Ortner) festgestanden, dass das mit einem "Lebenslang" enden würde. Verhängt wurde das Urteil freilich über die damals 35-jährige Juristin aus Salzburg selbst und einen Kriminalbeamten. Die beiden hatten nämlich kurzerhand ihren Arbeitsplatz zu ihrem Hochzeitsort erwählt.

Ziemlich genau fünf Jahre und ein Kind später spielt keine Jailhouse-Jazzband vor dem Schwurgerichtssaal, so wie damals. Ab Juli, so hat es sich die aus einer Juristenfamilie stammende und auf Wirtschaftscausen spezialisierte Richterin vorgenommen, werden auf dem langen Gang vor dem Gerichtssaal prominente Angeklagte auf ihren großen Auftritt beim Bawag-Strafprozess warten.

Den Takt dabei angeben wird die heute 40-Jährige, die in Graz studiert hat und nach ihrer Ausbildung "zufällig" in der Abteilung für Wirtschaftscausen gelandet ist. Bauchweh vor ihrem eigenen Auftritt im wohl größten und bedeutsamsten Strafprozess der Zweiten Republik hat sie nicht, "mit Angst im Bauch könnte man diesen Job mit Wirtschaftscausen gar nicht machen", lässt sie ihre Umgebung wissen. Dass sie dabei nicht selten mit den Protagonisten mafioser Organisationen zu tun hat, erwähnt sie dabei lieber gar nicht.

Der Umfang des Bawag-Aktes – 71 Bände – wird die Ex-Personalvertreterin nicht erschüttern. Ebenso wenig wie der Wandbehang in der Staatsanwaltschaft Wien, wo allein zwei Wände mit Zeichnungen von Zahlungsströmen zwischen Bawag, Töchtern und Stiftungen verziert sind. Umfangreiches Unglück ist sie gewöhnt: Bandion-Ortner hat 1999 das Strafverfahren gegen jene Männer rund um Hermann Gerharter geführt, die den Konsum Österreich in die Pleite geführt hatten. Dafür hatte sie 121 Aktenbände mit mehr als 60.000 Seiten studiert. Am Ende verknackte sie den Konsum-Chef zu unbedingter Geld- und bedingter Freiheitsstrafe. In ihrem Urteil zeichnete die laut Kollegen "bestens organisierte, kompetente und mutige Frau" Strafrichterin auf 200 Seiten ein detailliertes wirtschaftspolitisches Sittenbild des zu Staub zerfallenen "Roten Riesen". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.3.2007)

  • Konsum-Pleite als Einstieg: Claudia Bandion-Ortner, Bawag-Richterin.
    foto: standard/hendrich

    Konsum-Pleite als Einstieg: Claudia Bandion-Ortner, Bawag-Richterin.

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